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Plotin
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Plotin (altgriechisch Î Î»Ï‰Ï„áż–ÎœÎżÏ‚ PlƍtĂ­nos, latinisiert Plotinus; * 205; † 270 auf einem Landgut in Kampanien)cite-ref-1[1] war ein antiker Philosoph.

Er war der BegrĂŒnder und bekannteste Vertreter des Neuplatonismus. Seine Ausbildung erhielt er in Alexandria bei Ammonios Sakkas, von dem er maßgebliche Impulse empfing. Ab 244 lebte er in Rom, wo er eine Philosophenschule grĂŒndete, die er bis zu seiner tödlichen Erkrankung leitete. Er lehrte und schrieb in griechischer Sprache; seine Schriften waren fĂŒr den SchĂŒlerkreis bestimmt und wurden erst nach seinem Tod einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. In Kreisen der politischen FĂŒhrungsschicht des Römischen Reichs erlangte er hohes Ansehen.

Plotin betrachtete sich nicht als Entdecker und VerkĂŒnder einer neuen Wahrheit, sondern als getreuen Interpreten der Lehre Platons, die nach seiner Überzeugung im Prinzip bereits alle wesentlichen Erkenntnisse enthielt. Sie bedurfte aus seiner Sicht nur einer korrekten Deutung mancher strittiger Einzelheiten und der Darlegung und BegrĂŒndung bestimmter Konsequenzen aus ihren Aussagen. Als Vertreter eines idealistischen Monismus fĂŒhrte Plotin alle PhĂ€nomene und VorgĂ€nge auf ein einziges immaterielles Grundprinzip zurĂŒck. Das Ziel seiner philosophischen BemĂŒhungen bestand in der AnnĂ€herung an das „Eine“, das Grundprinzip der gesamten Wirklichkeit, bis hin zur Erfahrung der Vereinigung mit dem Einen. Als Voraussetzung dafĂŒr betrachtete er eine konsequent philosophische LebensfĂŒhrung, die er fĂŒr wichtiger hielt als das diskursive Philosophieren.

Contents

‱ Leben
‱ Werk
‱ Lehre
‱ Ethik
‱ Logik
‱ Rezeption
‱ Antike
‱ Mittelalter
‱ Moderne
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Leben

Plotins Schriften enthalten keine biografisch verwertbaren Angaben. Die Lebensbeschreibung des Philosophen, die sein SchĂŒler Porphyrios rund drei Jahrzehnte nach Plotins Tod verfasst hat, ist die einzige zeitgenössische Quelle; auf ihr fußt die spĂ€tere Überlieferung. Diese Biografie enthĂ€lt zahlreiche Anekdoten. Sie gilt in der Forschung als glaubwĂŒrdig, besonders fĂŒr den Zeitraum zwischen 263 und 268, ĂŒber den Porphyrios als Augenzeuge berichtet.

Jugend und Studienzeit

Das Geburtsjahr 205 ist anhand der Angaben des Porphyrios errechnet worden.cite-ref-2[2] Seinen Geburtstag hielt Plotin geheim, da er keine Geburtstagsfeier wĂŒnschte; auch ĂŒber seine Herkunft Ă€ußerte er sich nie, da er solche Informationen nicht fĂŒr mitteilenswert hielt. Der spĂ€tantike Neuplatoniker Proklos nahm Ă€gyptische Abstammung an; dies ist auch in der modernen Forschung vermutet worden. Eunapios nennt als Geburtsort Lyko, womit wohl Lykonpolis gemeint ist, das heutige Asyut. Die GlaubwĂŒrdigkeit dieser Angabe ist aber sehr zweifelhaft.cite-ref-3[3] Aus der Kindheit berichtet Porphyrios nur, Plotin habe ihm erzĂ€hlt, dass er bis zu seinem achten Lebensjahr von seiner Amme gesĂ€ugt wurde, obwohl er schon zur Schule ging.

Seine philosophische Ausbildung begann Plotin erst 232 in Alexandria. Da ihm keiner der dortigen berĂŒhmten Lehrer zusagte, nahm ihn ein Freund zu dem Platoniker Ammonios Sakkas mit. Schon Ammonios’ erster Vortrag, den er hörte, gefiel ihm so, dass er sich ihm sogleich anschloss. Elf Jahre lang, bis zum Ende seiner Ausbildung, blieb Plotin bei Ammonios, dessen Lehre seine philosophischen Überzeugungen prĂ€gte. Dann verließ er Alexandria, um sich dem Heer Kaiser Gordians III. anzuschließen, das 243 von Antiochia aus zu einem Feldzug gegen das persische Sasanidenreich aufbrach. Seine Absicht war, sich im Orient mit der persischen und der indischen Philosophie vertraut zu machen.cite-ref-4[4] Nachdem aber die Römer in der Schlacht von Mesiche eine Niederlage erlitten hatten und der Kaiser Anfang 244 ums Leben gekommen war, musste Plotin nach Antiochia fliehen.cite-ref-5[5] Von dort begab er sich bald nach Rom, wo er sich dauerhaft niederließ.

LehrtÀtigkeit in Rom

In Rom erteilte Plotin einer anfangs kleinen Zahl von SchĂŒlern philosophischen Unterricht. ZunĂ€chst hielt er sich an eine Vereinbarung, die er mit zwei anderen SchĂŒlern des Ammonios, Origenes und Herennios, getroffen hatte. Die drei hatten sich verpflichtet, nichts von dem, was sie in den VortrĂ€gen ihres verstorbenen Lehrers gehört hatten, zu veröffentlichen. Die Frage nach dem genauen Inhalt und dem Zweck dieser Verschwiegenheitsabsprache ist in der Forschung intensiv diskutiert worden.cite-ref-6[6] Als erst Herennios und spĂ€ter auch Origenes die Vereinbarung brachen, fĂŒhlte sich Plotin ebenfalls nicht mehr daran gebunden. 253/254 begann er seine schriftstellerische TĂ€tigkeit.

Plotin legte Wert auf Interaktion mit seinen Hörern wĂ€hrend des Unterrichts und ermutigte zu Zwischenfragen. Seine Lehrveranstaltungen waren daher kein bloßes Dozieren, sondern hatten eher Diskussionscharakter. Die dabei aufgeworfenen Probleme boten ihm und seinen SchĂŒlern Anlass zur Abfassung einzelner Schriften. Aus seiner Interpretation und Weiterentwicklung der Lehren des Ammonios entstand ein philosophisches System von besonderem GeprĂ€ge, der Neuplatonismus. Die kritische Auseinandersetzung mit Lehrmeinungen von Mittelplatonikern und Peripatetikern bildete einen wichtigen Teil des Unterrichts.

Herausragende SchĂŒler Plotins waren Amelios Gentilianos (ab 246) und Porphyrios (ab 263). Porphyrios hatte zuvor in Athen bei dem berĂŒhmten Platoniker Longinos studiert. Zwischen der neuplatonischen Schulrichtung Plotins und der mittelplatonischen des Longinos bestanden Unterschiede in der Lehre, worĂŒber eine Kontroversliteratur und ein lebhafter Meinungsaustausch entstanden. Plotin nahm Longinos nicht ernst; er betrachtete ihn nicht als Philosophen, sondern als Philologen. In den Kreisen vornehmer Römer fand der Neuplatonismus Anklang. Zu Plotins Hörern gehörte eine Reihe von Senatoren, darunter Rogatianus, Marcellus Or(r)ontius und Sabinillus (ordentlicher Konsul des Jahres 266 zusammen mit dem Kaiser), sowie der reiche Philosoph Castricius Firmus, ein besonders engagierter Neuplatoniker. Auch Frauen begeisterten sich fĂŒr den Neuplatonismus und wurden eifrige AnhĂ€ngerinnen Plotins.

Philosophische Lebensweise und soziales Handeln

Der ab 260 als Alleinherrscher regierende, fĂŒr kulturelle Belange aufgeschlossene Kaiser Gallienus und seine Ehefrau Salonina schĂ€tzten und förderten Plotin. Unter dem Eindruck der kaiserlichen Gunst fasste Plotin den Plan der Neubesiedlung einer verlassenen Stadt in Kampanien. Sie sollte nach den von Platon entworfenen Gesetzen regiert werden und Platonopolis heißen. Er selbst wollte mit seinen SchĂŒlern dorthin ziehen. Porphyrios berichtet, dieses Vorhaben habe dank Plotins Einfluss beim Kaiser gute Aussicht auf Verwirklichung gehabt, sei aber an Hofintrigen gescheitert.cite-ref-7[7]

Nicht nur als Philosophielehrer war Plotin in der politischen FĂŒhrungsschicht angesehen. In StreitfĂ€llen wĂ€hlte man ihn gern als Schiedsrichter. Viele vornehme Römer bestimmten ihn vor ihrem Tod zum Vormund ihrer noch unmĂŒndigen Kinder. Sein Haus war daher voll von Heranwachsenden beiderlei Geschlechts, deren Vermögen er gewissenhaft verwaltete. Bei der ErziehungstĂ€tigkeit kam ihm seine von Porphyrios gerĂŒhmte außergewöhnliche Menschenkenntnis zugute.

Wie bei den antiken Philosophen ĂŒblich fasste Plotin die Philosophie nicht als eine unverbindliche BeschĂ€ftigung mit gedanklichen Konstrukten auf, sondern als ideale Lebensweise, die im Alltag konsequent zu verwirklichen war. Dazu gehörte fĂŒr ihn eine asketische ErnĂ€hrung, wenig Schlaf und unablĂ€ssige Konzentration auf den eigenen Geist bei allen TĂ€tigkeiten.cite-ref-8[8] Das Erkenntnisstreben war bei ihm zugleich ein religiöses Erlösungsstreben. Sein religiöses Leben spielte sich aber nicht im Rahmen gemeinschaftlicher BetĂ€tigung nach den traditionellen Gepflogenheiten eines Kults ab, sondern bildete einen strikt privaten Bereich. An den herkömmlichen religiösen Festen, Riten und Opfern beteiligte er sich nicht. Bekannt ist sein programmatischer Ausspruch, er nehme nicht am Gottesdienst teil, denn „jene (die Götter) mĂŒssen zu mir kommen, nicht ich zu ihnen“.cite-ref-9[9] Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf die „formlose“ Gottheit, mit der er sich zu vereinigen strebte. Porphyrios schreibt, diese Vereinigung sei Plotin in den fĂŒnf Jahren, die sie zusammen verbrachten, viermal zuteilgeworden. Ein solches Erlebnis wird mit dem griechischen Fachbegriff „Henosis“ (Vereinigung, Einswerdung) bezeichnet.

Letzte Lebensjahre

268 ĂŒbersiedelte Porphyrios auf Plotins Rat nach Sizilien, um dort seine Melancholie zu kurieren. Im selben Jahr wurde Kaiser Gallienus ermordet. Bald darauf schied auch Amelios aus der Schule aus und reiste nach Syrien ab. Plotin, der schwer erkrankt war, musste seine LehrtĂ€tigkeit einstellen. Da seine Krankheit – vermutlich Lepra oder Tuberkulosecite-ref-10[10] – mit ekelerregenden Symptomen verbunden war, mieden nun die meisten SchĂŒler den Umgang mit ihm. 269 zog er nach Kampanien auf das Landgut seines bereits verstorbenen SchĂŒlers Zethos, von wo er nicht mehr zurĂŒckkehrte. Der Arzt Eustochios aus Alexandria, der zum SchĂŒlerkreis gehörte, ĂŒbernahm die medizinische Betreuung des Schwerkranken. Castricius Firmus ließ den Philosophen von seinem in der NĂ€he von Minturnae gelegenen Landbesitz aus mit Lebensmitteln versorgen.

Als Plotin im Jahr 270 starb,cite-ref-11[11] hielt sich Porphyrios noch auf Sizilien auf, doch wurde er spĂ€ter durch Eustochios ĂŒber die Ereignisse unterrichtet. Seine Schilderung des Todes des Philosophen ist berĂŒhmt. Er ĂŒberliefert die letzten Worte des Sterbenden, der es als sein Ziel bezeichnete, „das Göttliche in uns emporzuheben zum Göttlichen im All“.cite-ref-12[12] Dann sei eine Schlange unter seinem Bett durchgekrochen und in ein Loch in der Wand geschlĂŒpft. Damit spielt Porphyrios auf die Seelenschlange an. Die beim Tod entweichende Seele pflegte man sich in der Gestalt eines Vogels oder einer Schlange vorzustellen.cite-ref-13[13]

Ikonografie

Wie Porphyrios berichtet, lehnte Plotin ab, sich von einem Maler oder Bildhauer portrĂ€tieren zu lassen, denn sein Körper sei als materielles Objekt nur ein vergĂ€ngliches Abbild einer geistigen RealitĂ€t und als solches nicht sehenswert; von diesem Abbild ein Abbild anzufertigen sei abwegig. Damit stellte sich Plotin in die Tradition der platonischen Kritik an der bildenden Kunst. Amelios veranlasste aber den Maler Carterius, aus dem GedĂ€chtnis ein Bild Plotins zu malen, das nach Porphyrios’ Urteil lebensecht ausfiel.cite-ref-14[14]

Verschiedentlich wurde versucht, Plotin mit Philosophen zu identifizieren, die in erhaltenen Werken antiker Bildhauerkunst ohne Namensangaben dargestellt sind. Zu diesen gehören fĂŒnf Marmorköpfe, von denen drei in Ostia Antica gefunden wurden. Vier von ihnen sind Kopien desselben Typus, der fĂŒnfte zeigt eine andere Person. Sie stammen aber nach heutigem Forschungsstand aus der Zeit der Severer und kommen daher chronologisch nicht in Betracht.cite-ref-15[15] Aufgrund der Vermutung, es handle sich um Plotin, wurden sie im 20. Jahrhundert hĂ€ufig als PlotinbĂŒsten abgebildet. Daher war die irrige Meinung verbreitet, Plotins Aussehen sei bekannt.

Auf einem Sarkophag im Museo Gregoriano Profano, das zu den Vatikanischen Museen gehört, ist in einer Gruppe ein Philosoph zu sehen, bei dem es sich möglicherweise um Plotin handelt, doch ist diese Annahme spekulativ.cite-ref-16[16]

Werk

Die schriftstellerische TĂ€tigkeit Plotins setzte erst 253/254 ein und dauerte bis kurz vor seinem Tod. UrsprĂŒnglich waren seine Schriften formlose, nur fĂŒr den SchĂŒlerkreis gedachte Aufzeichnungen von GedankengĂ€ngen; sie wurden vom Autor nicht einmal mit Titeln versehen. Nachdem Porphyrios 263 in die Schule eingetreten war, intensivierte Plotin auf Bitten von Porphyrios und Amelios seine schriftstellerische TĂ€tigkeit. Nach Porphyrios’ Übersicht kamen zu den 21 vor 263 verfassten Abhandlungen 24 weitere aus dem Zeitraum von 263 bis 268 hinzu; nach Porphyrios’ Abreise (268) entstanden noch neun. Diese Zahlen beruhen allerdings auf der von Porphyrios teils willkĂŒrlich geĂ€nderten Aufteilung von Plotins Nachlass in Einzelschriften, deren nachtrĂ€gliche, aus dem SchĂŒlerkreis stammende Betitelung sich einbĂŒrgerte.

Als Autor konzentrierte sich Plotin auf den Inhalt seiner Darlegungen und bemĂŒhte sich nicht um eine literarisch-stilistische Ausarbeitung. Er setzte zwar Stilmittel ein, aber nur zur Erhellung der philosophischen GedankengĂ€nge, nicht um der GefĂ€lligkeit des Ausdrucks willen.cite-ref-17[17] Die Rechtschreibung war ihm gleichgĂŒltig. Obwohl seine Lehre ein zusammenhĂ€ngendes Gedankensystem bildete, versuchte er nie eine systematische Gesamtdarstellung zu geben, sondern erörterte nur einzelne Themen und Probleme. Wenn er eine Frage fĂŒr sich geklĂ€rt hatte, schrieb er seine Gedanken flĂŒssig in einem Zug nieder; nie las er das Geschriebene durch, um es zu korrigieren und zu ĂŒberarbeiten. Wegen seiner schwachen Sehkraft fiel ihm das Lesen schwer. Daher ĂŒbertrug er Porphyrios die Aufgabe, seine Schriften zu sammeln, zu ordnen und herauszugeben.cite-ref-18[18] Erst rund drei Jahrzehnte nach Plotins Tod erfĂŒllte Porphyrios, als er sich selbst schon seinem Lebensende nĂ€herte, diesen Auftrag.

Porphyrios entschied sich als Herausgeber gegen eine chronologische Ordnung; er zog eine Gruppierung nach inhaltlichen Gesichtspunkten vor. Zu diesem Zweck teilte er Plotins Nachlass in 54 Einzelschriften auf und bildete daraus sechs Gruppen von jeweils neun Schriften. Nach dieser Ordnung sind die gesammelten Werke Plotins unter der Bezeichnung Enneaden – „Neunheiten“, „Neuner(gruppen)“ – bekannt. Dank der gewissenhaften HerausgebertĂ€tigkeit des Porphyrios ist das Gesamtwerk Plotins vollstĂ€ndig erhalten geblieben und sogar eine chronologische Gruppierung ĂŒberliefert. In seiner Lebensbeschreibung Plotins, die er der Sammlung vorangestellt hat, zĂ€hlt Porphyrios die Schriften auf und ordnet sie den Schaffensperioden des Autors zu. Da die Titel der einzelnen Schriften nicht von Plotin stammen, pflegt man sie beim Zitieren nicht zu nennen.

Lehre

Plotin betrachtete sich nicht als Neuerer und Erfinder eines neuartigen Systems. Vielmehr legte er Wert darauf, ein treuer AnhĂ€nger der Lehre Platons zu sein. Bei seiner AnknĂŒpfung an Platon stĂŒtzte er sich vor allem auf dessen Dialog Parmenides. Er war der Überzeugung, seine Philosophie sei konsequent aus Platons Darlegungen abgeleitet, sie sei eine authentische Interpretation und bruchlose Fortsetzung des ursprĂŒnglichen Platonismus und er formuliere explizit, was bei Platon auf „unentfaltete“ Weise ausgedrĂŒckt sei.cite-ref-19[19] Die Berechtigung dieser Sichtweise ist unter Philosophiehistorikern seit langem umstritten.cite-ref-20[20] Erst seit dem spĂ€ten 18. Jahrhundert wird der Neuplatonismus als solcher bezeichnet und von der Ă€lteren Tradition der Platonauslegung abgegrenzt.

Zur BegrĂŒndung fĂŒr seine Bevorzugung des Platonismus gab Plotin an, Platon habe sich klar und ausfĂŒhrlich geĂ€ußert und seine Darlegungen seien meisterhaft, die Vorsokratiker hingegen hĂ€tten sich mit dunklen Andeutungen begnĂŒgt.cite-ref-21[21] Außerdem machte er geltend, Platon habe als einziger die absolute Transzendenz des höchsten Prinzips erkannt. Mit dem Gedankengut anderer Philosophenschulen – der Stoiker und der Peripatetiker – setzte er sich auseinander. Er ĂŒbernahm daraus AnsĂ€tze, die ihm mit dem Platonismus vereinbar schienen, andere Ideen verwarf er.cite-ref-22[22] Unplatonische Vorstellungen aus orientalischen religiösen Bewegungen (Gnosis, Zoroastrismus, Christentum) bekĂ€mpfte er nachdrĂŒcklich, indem er entweder eine schriftliche Entgegnung formulierte oder einen SchĂŒler mit der Widerlegung beauftragte. Im Unterschied zu anderen Platonikern berief er sich nie auf orientalische Weisheit, sondern ausschließlich auf die griechische Tradition.

Ontologie und Kosmologie

Grundlegend ist fĂŒr Plotin die Scheidung der gesamten Vielfalt der Dinge in eine ĂŒbergeordnete, rein geistige (intelligible) Welt (kĂłsmos noētĂłs) und eine untergeordnete, sinnlich wahrnehmbare Welt (kĂłsmos aisthētĂłs). Das UnterordnungsverhĂ€ltnis dieser beiden Bereiche ist der markanteste Ausdruck der hierarchisch abgestuften ontologischen Ordnung der Gesamtwirklichkeit. Bei der detaillierten Ausarbeitung dieses Ordnungssystems geht Plotin von einschlĂ€gigen Hinweisen Platons aus. Der den Sinnen unzugĂ€ngliche Teil der Gesamtwirklichkeit gliedert sich nach seiner Lehre in drei Bereiche: das Eine, den absoluten, ĂŒberindividuellen Geist (nous oder nus) samt den platonischen Ideen und das Seelische (Weltseele und andere Seelen). Die sinnlich wahrnehmbare Welt ist das Ergebnis einer Einwirkung aus der geistigen Welt auf die formlose Urmaterie, in der dadurch die Gestalten der verschiedenen Sinnesobjekte in Erscheinung treten.

Das Eine

Den Ausgangspunkt fĂŒr die Existenz des Unterscheidbaren, das dem Prinzip der PluralitĂ€t oder Vielzahl zugeordnet ist, muss nach Plotins Überzeugung notwendigerweise etwas Einfaches, Undifferenziertes bilden. Die Erkenntnis schreitet vom Komplexeren zum Einfacheren fort. Alles Zusammengesetzte und Mannigfaltige lĂ€sst sich auf etwas Einfacheres zurĂŒckfĂŒhren. Das Einfachere ist dem Komplexeren ĂŒbergeordnet in dem Sinn, dass es die Ursache fĂŒr dessen Existenz bildet. Daher ist das Einfachere das Höherrangige, denn es bedarf des Komplexeren in keiner Weise, wĂ€hrend umgekehrt das Komplexere ohne das Einfachere nicht existieren kann. GegenĂŒber dem Einfachen ist das Komplexe stets mangelhaft.cite-ref-23[23] Letztlich muss ein gedankliches Voranschreiten vom Komplexeren zum Einfacheren zu einem Einfachsten fĂŒhren. Das Einfachste kann auf nichts anderes mehr rĂŒckfĂŒhrbar sein; hier muss man „haltmachen“, sonst trĂ€te ein infiniter Regress (Fortschreiten ins Endlose) ein.cite-ref-24[24] Mit dem Einfachsten ist somit der höchste mögliche Bereich der Gesamtwirklichkeit erreicht. Dieses schlechthin Einfache nennt Plotin „das Eine“ (griechisch τ᜞ ጕΜ to hen). Es kann als Ă€ußerster Gegensatz zum Differenzierten und Mannigfaltigen keine Unterscheidung enthalten, weder eine Zweiheit noch sonstige PluralitĂ€t. In diesem Zusammenhang erinnert Plotin daran, dass die Pythagoreer mit Bezugnahme auf den Namen des Gottes Apollon das Eine auch den „Nichtvielen“ nannten. Sie wollten den Gedanken der göttlichen Einheit auch mit einer (allerdings falschen) Etymologie des Gottesnamens begrĂŒnden, indem sie „Apollon“ von a, „nicht“, und polloĂ­, „viele“ ableiteten.cite-ref-25[25] Da Plotin ausnahmslos alles, was geistig oder physisch existiert, auf das Eine zurĂŒckfĂŒhrt, ist seine Philosophie monistisch.cite-ref-26[26]

Als Ursprung und Existenzgrund aller Dinge ist das Eine das Höchste, was es geben kann. In einer religiösen Terminologie kĂ€me ihm faktisch die Rolle der obersten Gottheit zu. Eine solche Bestimmung wĂ€re jedoch bereits eine unangemessene Differenzierung, denn jede Bestimmung impliziert einen Unterschied und damit eine Nicht-Einheit. Aus diesem Grund ist es auch unzulĂ€ssig, dem Einen Merkmale zuzuschreiben, die als göttlich gelten, etwa es mit dem Guten oder dem Sein zu identifizieren. Vielmehr ist das Eine weder seiend noch nichtseiend, sondern ĂŒberseiend, und weder gut noch schlecht, sondern jenseits solcher Begrifflichkeit. Aus dem Blickwinkel des Denkenden erscheint es als etwas Höheres, Erstrebenswertes und damit Gutes, aber fĂŒr sich selbst ist es nicht gut. Man kann nicht einmal wahrheitsgemĂ€ĂŸ aussagen, dass das Eine „ist“, denn das Sein als Gegenteil des Nichtseins oder das vollkommene Sein im Gegensatz zu einem geminderten Sein setzt bereits eine Unterscheidung voraus und damit etwas, was dem Einen nachgeordnet ist. Genau genommen ist auch die Bestimmung des Einen als „Eines“, als einfach oder einheitlich im Sinne eines Gegensatzes zur PluralitĂ€t eine Verkennung seiner wahren, gegensatzfreien Natur, ĂŒber die paradoxerweise ĂŒberhaupt keine zutreffende Aussage möglich ist. Das Eine ist „unsagbar“ (ĂĄrrhēton).cite-ref-27[27] Wenn Plotin dennoch Aussagen ĂŒber das Eine macht, so pflegt er solche Feststellungen mit EinschrĂ€nkungen wie „gleichsam“, „gewissermaßen“ (hoĂ­on) zu versehen. Damit stellt er klar, dass diese Begriffe hier nicht in ihrer gewöhnlichen Bedeutung gemeint sind, sondern nur etwas andeuten sollen, was er nur unzulĂ€nglich ausdrĂŒcken kann.

Das Eine bleibt somit einem verstandesmĂ€ĂŸigen, diskursiven Begreifen prinzipiell entzogen. Dennoch zwingt nach Plotins Auffassung die Vernunft zur Annahme des Einen. Außerdem meint er, es gebe einen ĂŒbervernĂŒnftigen Zugang zum Einen, da es erlebt werden könne. Dies werde möglich, wenn man sich nach innen wende und nicht nur das Sinnliche, sondern auch alles Geistige hinter sich lasse. Einen solchen Vollzug der AnnĂ€herung an das Eine und Vereinigung mit ihm hat Plotin nach Porphyrios’ Angaben als wiederholtes Erlebnis fĂŒr sich selbst in Anspruch genommen.cite-ref-28[28] Wegen seiner Behauptung, es gebe eine das Denken ĂŒbersteigende Erfahrung einer höchsten Wirklichkeit, wird Plotin oft als Mystiker bezeichnet. Dabei ist allerdings zu beachten, dass dieser Begriff (im heutigen Sinne) damals nicht existierte und dass keine derartige Selbstbezeichnung Plotins ĂŒberliefert ist.cite-ref-29[29]

Der Nous und die Ideen

In der ontologischen Hierarchie folgt auf das Eine unmittelbar der Nous (Geist, Intellekt), eine absolute, transzendente, ĂŒberindividuelle Instanz. Der Nous geht aus dem Einen im Sinne einer ĂŒberzeitlichen KausalitĂ€t hervor. Gemeint ist hier nicht ein Hervorbringen als Erschaffen im Sinne eines willentlichen Tuns des Einen, sondern eine Naturnotwendigkeit. Der Nous als ein bestimmtes Etwas entströmt dem undifferenzierten Einen (Emanation), doch ohne dass die Quelle selbst davon betroffen ist und sich dabei irgendwie verĂ€ndert. Damit entsteht zugleich, da Eines und Nous zweierlei sind, das Prinzip der Zweiheit und Unterschiedlichkeit. TĂ€tigkeitswörter wie Hervorgehen, Überfließen oder Entstehen, die auf ein Werden deuten, sind allerdings in diesem Zusammenhang nicht wörtlich aufzufassen, sondern nur metaphorisch. Der „Hervorgang“ (prĂłhodos) ist nicht als zeitlicher Vorgang im Sinne eines Daseinsbeginns zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum zu verstehen. Plotin meint damit nur, dass das Hervorgehende seine Existenz dem verdankt, aus dem es hervorgeht, und ihm daher untergeordnet ist. Die Emanation veranschaulicht Plotin mit dem Bild der Sonne oder auch einer Quelle.cite-ref-30[30] Von der Sonne gehen unablĂ€ssig Lichtstrahlen aus, ohne dass sie selbst dabei (nach damaliger Vorstellung) eine Einbuße oder sonstige VerĂ€nderung erleidet.

Im Unterschied zum Einen gehört der Nous zu den Dingen, denen bestimmte Merkmale zugeordnet werden können; insbesondere kann er als seiend bezeichnet werden. Er bildet den obersten Bereich der „Seiendheit“ oder Substanz (Ousia). Im Neuplatonismus ist das Sein in Bezug auf ein Ding nicht einfach vorhanden oder nicht vorhanden, sondern es ist abgestuft: Es gibt ein Sein im vollen Sinne und ein eingeschrĂ€nktes oder gemindertes, mehr oder weniger „uneigentliches“ oder schattenhaftes Sein. Nur dem Nous als oberstem Teil des Seinsbereichs kommt das Sein uneingeschrĂ€nkt im vollen und eigentlichen Sinne zu. Daher ist fĂŒr Plotin die SphĂ€re des Geistes und des Denkens mit derjenigen des wirklichen Seins identisch; ihre Wesensmerkmale Sein und Denken fallen zusammen. „Dasselbe ist Denken und Sein“ lautet ein von Plotin zitierter Grundsatz des Vorsokratikers Parmenides.cite-ref-31[31]

Den Grundsatz, dass das Sein (im eigentlichen Sinne) das Denken ist, kombiniert Plotin mit der Ideenlehre Platons. Wenn sich der menschliche Intellekt nicht den sinnlich wahrnehmbaren Einzeldingen in ihrer Besonderheit zuwendet, sondern den ihnen zugrunde liegenden platonischen Ideen, dann betritt er damit die Denkwelt, das Reich des Nous. Dort begegnet ihm das Schöne und Gute, insoweit es sich nicht in stets mangelhaften Einzelobjekten zeigt, sondern an und fĂŒr sich in seiner Vollkommenheit existiert. Wenn die Denkinhalte in ihrem Dasein an und fĂŒr sich als platonische Ideen erfasst werden, werden sie gedacht. Solches Denken ist nicht ein diskursives Folgern, sondern ein unmittelbares geistiges Ergreifen des Gedachten. Das Gedachte ist nirgends anders zu finden als in der Denkwelt. Die Objekte des Denkens sind die Inhalte des Nous, der aus nichts anderem als der Gesamtheit der platonischen Ideen besteht.

So gelangt Plotin zu seinem berĂŒhmten, fĂŒr seine Philosophie charakteristischen Lehrsatz: Die Ideen existieren nur innerhalb des Nous. Manche Mittelplatoniker hatten die Ideen als etwas vom Nous Produziertes und ihm somit Untergeordnetes aufgefasst und daher unterhalb des Nous verortet.cite-ref-32[32] Dem widerspricht Plotin mit dem Argument, dass in diesem Fall der Nous leer wĂ€re. Leerheit widersprĂ€che aber seinem Wesen als sich selbst denkender Geist. HĂ€tte er keinen eigenen Inhalt, so könnte er sich nicht selbst denken. Vielmehr mĂŒsste er sich, um ĂŒberhaupt denken zu können, etwas ihm Nachgeordnetem zuwenden, den von ihm selbst hervorgebrachten Denkobjekten. Dann wĂ€re er hinsichtlich seines Wesens, das im Denken besteht, von seinen eigenen Erzeugnissen abhĂ€ngig. Damit wĂ€re er der Ungewissheit und der TĂ€uschung ausgeliefert, da er nicht zu den Ideen selbst, sondern nur zu Abbildern von ihnen, die er in sich erzeugen mĂŒsste, unmittelbaren Zugang hĂ€tte. Diese Vorstellung hĂ€lt Plotin fĂŒr absurd. Wie schon Aristotelescite-ref-33[33] ist er der Überzeugung, dass der Nous sich selbst denkt und dass sein Denken ausschließlich auf ihn selbst bezogen ist. Im Unterschied zu Aristoteles verbindet er diese Überzeugung aber mit der Lehre von der objektiven RealitĂ€t der platonischen Ideen.

Wenn bei Plotin vom Nous die Rede ist, so ist mit dem in diesem Zusammenhang verwendeten Begriff „Denken“ nicht eine bloß subjektive mentale TĂ€tigkeit gemeint. Es besteht keine Analogie zwischen dem Denken des Nous und der Vorstellung von einem menschlichen Individuum, das im subjektiven Denkakt Gedanken erzeugt. Der Nous ist vielmehr eine objektive RealitĂ€t, eine unabhĂ€ngig von den denkenden Einzelwesen existierende Denkwelt, zu der die einzelnen denkenden Individuen Zugang haben. Das dieser objektiven RealitĂ€t zugewandte Individuum produziert keine eigenen Gedanken, sondern ergreift durch seine Teilhabe am Reich des Geistes dessen Inhalte. In diesem Ergreifen besteht sein individuelles Denken.

Der Nous ist, insoweit er nichts als reiner Geist ist, seinem Wesen nach einheitlich. Da er eine Vielzahl von Ideen umfasst, ist er aber zugleich eine Vielheit. Weil nur den Ideen das eigentliche Sein zukommt, ist der Nous zugleich die Gesamtheit der wirklich seienden Dinge. Außerhalb von ihm gibt es nur uneigentliches, mehr oder weniger gemindertes Sein. Die Anzahl der Denkobjekte, welche die Inhalte des Nous sind, hĂ€lt Plotin fĂŒr endlich, da aus seiner Sicht eine unendliche Anzahl als grĂ¶ĂŸtmögliche Absonderung, Vereinzelung und Entfernung von der Einheit eine Verarmung der einzelnen Objekte wĂ€re, die mit der Vollkommenheit des Nous nicht vereinbar ist.cite-ref-34[34] Das Selbstbewusstsein des Nous betrachtet er nicht als reflexiv, da es sich nicht selbst thematisieren kann. WĂŒrde der Geist denken, dass er denkt, so wĂ€re dieser Sachverhalt wiederum Gegenstand des Denkens, was in einen infiniten Regress fĂŒhrt. Vielmehr nimmt Plotin eine zusammensetzungslose Einheit und IdentitĂ€t von Denkendem, Gedachtem und Denkakt an. Eine Strukturierung ist nur aus der Perspektive eines diskursiv begreifenden Betrachters erforderlich.cite-ref-35[35]

WĂ€hrend das Eine nicht fĂŒr sich selbst gut ist, sondern nur aus der Perspektive eines unter ihm stehenden Anderen als gut erscheint, ist der Nous an und fĂŒr sich gut, denn er weist das Höchstmaß an Vollkommenheit auf, das einem Seienden zu eigen sein kann.

Ob Plotin Ideen von Individuellem annahm und damit dem Individuellen als solchem eine PrĂ€senz im Nous zubilligte, ist in der Forschung umstritten. Überwiegend glaubt man, dass er dies tat.cite-ref-36[36]

Der Bereich des Seelischen

An den Nous schließt sich die nĂ€chstniedrige Hypostase (Wirklichkeitsebene) an, der Bereich des Seelischen. Auch dieser Bereich ist nicht sinnlich wahrnehmbar. Das Seelische bildet den untersten Bereich der rein geistigen Welt; unmittelbar darunter beginnt die SphĂ€re der Sinnesobjekte. Wie der Nous aus dem Einen geht das Seelische aus dem Nous durch Emanation hervor; es ist eine Selbstentfaltung des Geistes nach außen. Auch hier ist das Hervorgehen nur als Metapher fĂŒr ein ontologisches AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis zu verstehen; es handelt sich nicht um eine Entstehung in der Zeit. Die Seele existiert wie alles Geistige in der Ewigkeit, sie ist ungeschaffen und unvergĂ€nglich. Zum Nous verhĂ€lt sie sich wie Materie zur Form.

Der platonischen Tradition folgend argumentiert Plotin fĂŒr die Unkörperlichkeit der Seele, die von den Stoikern bestritten wird. Er wendet sich auch gegen die Ansicht, die Seele sei eine bloße Harmonie, wie manche Pythagoreer glaubten, oder nur die Entelechie des Körpers, wie Aristoteles meinte.cite-ref-37[37] FĂŒr ihn ist die Seele vielmehr eine unverĂ€nderliche Substanz, die sich aus eigener Kraft bewegt und keinen Körper benötigt. Das gilt auch fĂŒr die Seelen der Tiere und Pflanzen.

Die Seele ist das Organisationsprinzip und die belebende Instanz der Welt. Das Seelische betrachtet Plotin als eine Einheit, unter diesem Aspekt nennt er es die „Gesamtseele“ (hē hĂłlē psychᾗ). Die Gesamtseele tritt einerseits als Weltseele in Erscheinung, andererseits als die Vielzahl der Seelen der Gestirne und der verschiedenen irdischen Lebewesen. Die Weltseele belebt den ganzen Kosmos, die Einzelseele einen bestimmten Körper, mit dem sie sich verbunden hat. Es gibt nur eine einzige, einheitliche Seelensubstanz. Daher unterscheiden sich die einzelnen Seelen nicht durch besondere Wesensmerkmale, sondern jede Einzelseele ist mit der Weltseele und mit jeder anderen Einzelseele hinsichtlich ihres Wesens identisch. Wenn Plotin von „der Seele“ spricht, kann somit jede beliebige Seele gemeint sein.cite-ref-38[38]

Die Weltseele unterscheidet sich allerdings von einer menschlichen Seele dadurch, dass der Körper der Weltseele der ewige Kosmos ist und der Körper der menschlichen Seele ein vergĂ€nglicher Menschenleib. Die einzelnen Seelen sind alle untereinander und mit der Weltseele eng verbunden, da sie von Natur aus eine Einheit bilden. Ihre Wesensgleichheit mit der Weltseele bedeutet aber nicht, dass sie Bestandteile von ihr sind; die IndividualitĂ€t der Seelen bleibt stets gewahrt. Trotz der Wesensgleichheit der einzelnen Seelen bestehen Rangunterschiede zwischen ihnen, da sie ihre gemeinsame geistige Natur in unterschiedlichem Ausmaß verwirklichen. Neben den wechselnden Daseinsbedingungen der einzelnen Seelen, die deren Entfaltungsmöglichkeiten unterschiedlich beeinflussen, gibt es auch naturgegebene, nicht zeitbedingte Rangunterschiede.

Als Hervorbringung des Nous hat die Seele an ihm Anteil, was sich darin Ă€ußert, dass sie zum Denken und zur Wahrnehmung der Ideen befĂ€higt ist. Sie „wird“ gleichsam das, was sie jeweils aufsucht. Durch „Aneignung“ (oikeíƍsis) vereint sie sich damit. Wenn sie sich dem Nous zuwendet und in seinem Reich aufhĂ€lt, ist sie selbst Nous. Das Eine erreicht sie, indem sie mit ihm eins wird. Doch nicht immer wendet sie sich Höherem zu. Sie steht an der Grenze zwischen der geistigen und der sinnlichen Welt und so fallen ihr im Rahmen der Weltordnung auch Aufgaben zu, welche sich auf die unter ihr liegende SphĂ€re der materiellen, sinnlich wahrnehmbaren Dinge beziehen. Als Weltseele ist sie die Schöpferin und Lenkerin des physischen Kosmos. Als Einzelseele ist sie mit denselben schöpferischen FĂ€higkeiten ausgestattet wie die Weltseele, und durch ihre Einheit mit der Weltseele ist sie Mitschöpferin; so gesehen erschafft jede einzelne Seele den Kosmos.

Zwischen der Weltseele und den Seelen auf der Erde besteht hinsichtlich ihrer Funktionen ein wichtiger Unterschied darin, dass die Weltseele immer in der geistigen Welt verbleibt und von dort aus das Weltall mĂŒhelos beseelt und lenkt, wĂ€hrend die Seelen auf der Erde in die Körperwelt hinabgestiegen sind. Die Weltseele befindet sich in einem Zustand unbeeintrĂ€chtigter Seligkeit, da sie ihre Heimat nicht verlĂ€sst. Sie orientiert sich ausschließlich am Nous. Auf der Erde hingegen sind die Seelen Gefahren ausgesetzt und unterliegen vielen BeeintrĂ€chtigungen, je nach ihren dortigen LebensumstĂ€nden und der Beschaffenheit ihrer jeweiligen Körper.

Materie und Körperwelt

Die materielle Welt der Sinnesobjekte wird von „der Seele“ – der Weltseele und den ĂŒbrigen Seelen als Mitschöpfern – hervorgebracht und belebt. Dabei stĂŒtzt sich die Seele auf ihre Verbundenheit mit dem Nous, der mitwirkt. Da Plotin wie zahlreiche Platoniker den Schöpfungsbericht in Platons Dialog Timaios nicht wörtlich, sondern in einem ĂŒbertragenen Sinn auffasst, nimmt er fĂŒr die physische Welt ebenso wie fĂŒr die geistige keine Erschaffung in der Zeit an. Die Erde als Zentrum der Welt und die Gestirne existieren ewig, ebenso wie die Seele, zu deren natĂŒrlicher Bestimmung es gehört, das Physische ewig hervorzubringen. Da die Seele einerseits zur Ideenwelt des Nous, andererseits zur materiellen SphĂ€re Zugang hat, ist sie die Vermittlerin, die dem Materiellen einen Anteil am Geistigen verschafft. Sie bringt die Ideen in die formlose Urmaterie hinein und erschafft damit die Körper, deren Dasein darauf beruht, dass der Materie Form verliehen wird. Die sichtbaren Formen, zu denen die Seele die Materie gestaltet, sind Abbilder der Ideen. Beispielsweise kommt körperliche Schönheit dadurch zustande, dass die Seele ein StĂŒck Materie so formt, dass es Anteil am geistig Schönen erhĂ€lt.

Der Schöpfungsvorgang vollzieht sich so, dass die Seele zunĂ€chst die platonischen Ideen diskursiv aneinanderreiht, ohne sie zu verbildlichen. Dies vollbringt sie auf der obersten Ebene ihrer schöpferischen TĂ€tigkeit in der physischen Welt. Auf der nĂ€chstniedrigeren Ebene betĂ€tigt sich ihre Einbildungskraft (phantasĂ­a), die aus den Ideen immaterielle Bilder macht, welche die Seele innerlich anschaut. Erst auf der untersten Ebene werden aus den Bildern Ă€ußere GegenstĂ€nde, welche die Seele nun mittels sinnlicher Wahrnehmung (aĂ­sthēsis) erfasst.

Plotins Auffassung von der Materie (hĂœlē) geht von der einschlĂ€gigen Vorstellung und Terminologie des Aristoteles aus. Wie bei Aristoteles ist bei ihm die Materie an sich formlos und daher als solche nicht wahrnehmbar, doch entsteht alles sinnlich Wahrnehmbare dadurch, dass sie immer Formen aufnimmt. Alles Körperliche beruht auf einer Verbindung von Form und Materie. Dieses aristotelische Konzept baut Plotin in seinen Platonismus ein. An und fĂŒr sich ist die Materie „nichts“, aristotelisch ausgedrĂŒckt reine Potenz, etwas nicht Verwirklichtes, nur als Möglichkeit Bestehendes. So gesehen ist die Materie als „Nichtseiendes“ dasjenige, was sich am stĂ€rksten von der geistigen Welt, dem Bereich der im eigentlichen Sinn seienden Dinge, unterscheidet. Damit ist sie das ontologisch Niedrigste und Unvollkommenste. Nichts kann dem Einen ferner stehen als sie. Wie das Eine ist sie bestimmungslos, aber aus entgegengesetztem Grund. Das Eine kann Bestimmungen nicht aufweisen, sondern nur spenden, die Materie kann sie ebenfalls an und fĂŒr sich nicht besitzen, wohl aber aufnehmen. Die Materie, die den irdischen Dingen zugrunde liegt, kann das Empfangene allerdings nur zeitweilig behalten, sie vermischt sich nicht damit und es muss ihr frĂŒher oder spĂ€ter entgleiten. Daher sind die einzelnen irdischen PhĂ€nomene vergĂ€nglich, wĂ€hrend die Materie als solche unwandelbar ist. Über die Materie kann wegen ihrer Bestimmungslosigkeit nur Negatives ausgesagt werden – das, was sie nicht ist. Eigenschaften weist sie nur dadurch auf, dass ihr von außen Formen verliehen werden. Weil sie selbst nicht auf eine bestimmte Art beschaffen ist, kann sie jede beliebige Form aufnehmen – anderenfalls wĂ€re ihre eigene Beschaffenheit ein Hindernis. Zu den negativen Aussagen gehört, dass die Materie keine Begrenzung hat und dass sie absolut kraftlos ist und daher eine rein passive Rolle spielt.cite-ref-39[39]

Da der Nous als das Gute und Seiende bestimmt ist und nichts vom Sein weiter entfernt sein kann als die Materie, liegt aus platonischer Sicht die Folgerung nahe, dass die Materie etwas absolut Schlechtes oder Böses sei. Diese Konsequenz hat der Mittelplatoniker Numenios von Apameia, dessen Lehre Plotin intensiv studierte, tatsĂ€chlich gezogen. Sie fĂŒhrt mit der Annahme eines eigenstĂ€ndigen bösen Prinzips in den Dualismus. Auch Plotin bezeichnet die Materie als schlecht und hĂ€sslich; nichts kann schlechter sein als sie. Dabei ist aber zu beachten, dass dem Schlechten in Plotins monistischer Philosophie keine eigenstĂ€ndige Existenz zukommt, da Schlechtigkeit nur in der Abwesenheit des Guten besteht. Somit ist die Materie nicht in dem Sinne schlecht, dass ihr „Schlechtigkeit“ oder „Bösartigkeit“ als reale Eigenschaft zuzuordnen ist, sondern nur in dem Sinne, dass sie in der ontologischen Hierarchie am weitesten vom Guten entfernt ist. Außerdem kommt die formlose Urmaterie als solche nicht wirklich vor, sondern sie ist bei Plotin wie bei Aristoteles nur ein gedankliches Konstrukt.cite-ref-40[40] In Wirklichkeit unterliegt der physische Kosmos immer und ĂŒberall der Leitung der Seele und damit der gestaltenden Einwirkung der formenden Ideen. Real gibt es Materie nur in Verbindung mit Formen. Daher ist die Unvollkommenheit der materiellen Objekte in der Praxis nie absolut, denn durch ihre Formen empfangen sie die Einwirkung der geistigen Welt. Allgemein gilt der Grundsatz, dass das Aufnehmende das Maß des Aufnehmens bestimmt. Das Niedrigere kann das Höhere nur insoweit empfangen, als seine begrenzte AufnahmefĂ€higkeit dies zulĂ€sst.

Da zwischen der Weltseele und allen anderen Seelen eine Einheit besteht und das ganze Weltall von einem einheitlichen seelischen Prinzip durchdrungen ist, gibt es ein Mitempfinden (sympĂĄtheia) zwischen allen Teilen des Alls. Diese Lehre ĂŒbernimmt Plotin von der Stoa.cite-ref-41[41] Allerdings sieht er trotz dieser Verbundenheit der Dinge einen fundamentalen Unterschied zwischen der intelligiblen und der sinnlich wahrnehmbaren Welt darin, dass in der geistigen Welt jedes ihrer einzelnen Elemente zugleich das Ganze in sich trĂ€gt, wĂ€hrend in der Körperwelt das Einzelne fĂŒr sich existiert.

Neben der physischen, sinnlich wahrnehmbaren Materie nimmt Plotin auch eine geistige (intelligible) Materie an, womit er eine Überlegung des Aristoteles aufgreift und platonisch umdeutet. Er meint, dass auch die rein geistigen Dinge, die mit keiner physischen Materie verbunden sind, eines materiellen Substrates bedĂŒrfen. Ihre Vielheit bedeutet, dass sie sich voneinander unterscheiden. Das setzt fĂŒr jedes von ihnen eine eigene Form voraus. Form ist aber fĂŒr Plotin nur denkbar, wenn es außer einer formenden Instanz auch etwas Geformtes gibt. Daher hĂ€lt er die Annahme einer allen Formen gemeinsamen intelligiblen Materie fĂŒr erforderlich. Die intelligible Materie kommt ebenso wie die physische nicht ungeformt vor; im Unterschied zu ihr ist sie aber, wie alles Geistige, keinen VerĂ€nderungen unterworfen. Ein weiteres Argument Plotins lautet, dass allem Physischen, also auch der physischen Materie, in der geistigen Welt etwas Analoges als Vorbild zugrunde liegen mĂŒsse.cite-ref-42[42]

Zeit und Ewigkeit

Auf dem Gebiet der Zeitphilosophie fand Plotin in Platons Dialog Timaios nicht nur einzelne Anregungen, sondern ein Konzept, das er ĂŒbernahm und ausbaute. Der griechische Begriff fĂŒr Ewigkeit, aiáč“n, bezeichnet ursprĂŒnglich Lebenskraft, Leben und Lebenszeit, auf den Kosmos bezogen dessen unbegrenzte Fortdauer, wobei die FĂŒlle dessen, was ein langer oder endloser Zeitraum erbringen kann, impliziert ist. Daran knĂŒpft Platon an. Er prĂ€gt aber den Begriff radikal philosophisch um, da aus seiner Sicht eine zeitliche Aneinanderreihung keine FĂŒlle ergibt. Vielmehr ist alles, was sich im Verlauf der Zeit abspielt, durch Mangel charakterisiert: Vergangenes ist abhandengekommen, KĂŒnftiges noch nicht verwirklicht. UneingeschrĂ€nkte FĂŒlle ist daher nur jenseits der Zeitlichkeit möglich. Daraus ergibt sich das Konzept einer Ewigkeit, die nicht eine lange oder unbegrenzte Dauer ist, sondern eine ĂŒberzeitliche Gesamtheit des Seins. Durch die Aufhebung der Trennung von Vergangenem, GegenwĂ€rtigem und KĂŒnftigem wird Vollkommenheit möglich. Die Ewigkeit verharrt im Einen,cite-ref-43[43] wĂ€hrend der Zeitfluss, der ein stĂ€ndiges Nacheinander von FrĂŒher und SpĂ€ter bedeutet, die Wirklichkeit aufspaltet. In der Sprache des Platonismus ausgedrĂŒckt ist die Ewigkeit das Urbild, die Zeit das Abbild.

Plotin ĂŒbernimmt diesen Ewigkeitsbegriff. Er nĂ€hert sich ihm vom Aspekt der Lebendigkeit her, der in der ursprĂŒnglichen Wortbedeutung enthalten ist. Eine Gemeinsamkeit von Zeit (chrĂłnos) und Ewigkeit (aiáč“n) ist, dass beide als Erscheinungsformen des Lebens zu verstehen sind, wobei mit „Leben“ die Selbstentfaltung einer Ganzheit gemeint ist. Die geistige Welt ist durch zeitlose Ewigkeit charakterisiert, die physische durch den endlosen Zeitfluss. Wie alle Bestandteile des physischen Kosmos ist die Zeit ein Produkt der Seele und damit des Lebens, denn die Seele ist in der physischen Welt der erschaffende und belebende Faktor. Das Leben der Seele Ă€ußert sich darin, dass sich ihre Einheit als kosmische Vielheit zeigt. Ebenso ist auch die Ewigkeit des ĂŒberzeitlich Seienden als eine Art von Leben aufzufassen. Auch hier versteht Plotin unter „Leben“ die Selbstentfaltung eines einheitlichen Ganzen (des Nous) in die Vielheit seiner Elemente (der Ideen). Dies bedeutet aber keine Aufspaltung der Einheit, denn die Elemente verbleiben in der Einheit des Ganzen. So wie die Ewigkeit auf der Selbstentfaltung des Nous basiert die Zeit auf der Selbstentfaltung der Seele. In der Zeit tritt die Einheit des Lebens der Seele in eine Vielheit auseinander, deren Elemente durch den Zeitfluss voneinander getrennt werden. Damit wird fĂŒr die Seele das Ineinander der Ideenwelt zu einem geordneten Nacheinander einzelner Ideen – die Seele verzeitlicht sich.cite-ref-44[44]

Als Bestandteil der geistigen Welt gehört jede einzelne Seele eigentlich der ewigen Einheit des Geistigen an, doch ihr naturgegebener Wille zu einem Eigendasein ist die Ursache ihrer Vereinzelung. Da diese Vereinzelung als Abtrennung von der Ganzheit des Seins notwendigerweise eine Verarmung ist, besteht in der Seele der Impuls zur Beseitigung dieses Mangels an FĂŒlle. Zeitlich ausgedrĂŒckt heißt das RĂŒckkehr in die Einheit.

Das Streben nach RĂŒckkehr zielt auf eine VerĂ€nderung, die sich im Bewusstsein der Seele abspielen muss. Das Bewusstsein unterscheidet zwischen dem Wissenden und dem Gewussten und erfasst abgetrennte Inhalte wie den Ist-Zustand und den Soll-Zustand, die es zueinander in Beziehung bringt. Das ist nur als diskursiver Vorgang möglich und setzt daher Zeit voraus. Aus diesem Grund benötigt und erzeugt die Einzelseele eine von ihr individuell erlebte Zeit, ihre spezifische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Obwohl somit die Wirklichkeit des Lebens zeitlich aufgespalten wird, verliert die Seele dabei nicht ihre naturgegebene Teilhabe an der Einheit des Nous. Daher kann sie Erinnerung erzeugen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einen Zusammenhang bringen und so die Zeit als Kontinuum erfassen; anderenfalls wĂŒrde die Zeit in ein unverbundenes Nacheinander isolierter Augenblicke zerfallen. Da die Seele ein bestimmtes Ziel anstrebt, ist die von ihr geschaffene Zeit zukunftsgerichtet und die Aufeinanderfolge der Ereignisse immer entsprechend geordnet. Im Gegensatz zu menschlichen Seelen haben göttliche Seelen (Weltseele, Gestirnseelen) keine Erinnerung, da sie nicht in die Zeit hinabgestĂŒrzt sind.

Ethik

Plotins Ethik ist stets auf das Heil des Philosophen bezogen, der eine Entscheidung zu fĂ€llen hat. Bei allen Überlegungen darĂŒber, was man tun oder lassen soll, steht die Frage im Mittelpunkt, welche Konsequenzen ein bestimmtes Verhalten fĂŒr den Philosophen selbst hat, ob es sein philosophisches Streben hemmt oder fördert. Diesem Gesichtspunkt wird alles andere untergeordnet. Wie in allen ethischen Theorien der antiken Platoniker ist auch hier die Erlangung und Pflege der Tugenden (aretaĂ­) ein zentrales Anliegen. Ein großer Unterschied zum Denken Platons besteht aber darin, dass der Philosoph nicht in seiner Eigenschaft als StaatsbĂŒrger und Teil einer sozialen Gemeinschaft ins Auge gefasst wird. Der fĂŒr Sokrates und Platon wichtige Dienst am Staat, die Unterordnung persönlicher Bestrebungen unter das Staatswohl spielt in Plotins Lehre keine Rolle. Seine von Porphyrios bezeugte Absicht, eine nach Platons Vorstellungen vom Idealstaat organisierte Siedlung zu grĂŒnden, findet in seinen Schriften keinen Widerhall. BerĂŒhmt ist seine in philosophischer Literatur oft zitierte Formulierung, die philosophische Lebensweise sei ein „Abscheiden von allem anderen, was hier ist, [
] Flucht des Einsamen zum Einen“.cite-ref-45[45]

Alles Handeln zielt fĂŒr Plotin letztlich auf ein Betrachten als Zweckursache ab. Der Mensch handelt, weil er das von ihm Geschaffene bzw. Beschaffte als Schauobjekt zu gewinnen trachtet. Wenn er zu innerer Schau (theƍrĂ­a) der Ideen nicht in der Lage ist, verschafft er sich als Ersatz dafĂŒr gegenstĂ€ndliche Objekte, in denen die Ideen abgebildet sind. Da das BedĂŒrfnis nach Schau das Motiv allen Tuns ist, kommt der Betrachtung und damit der Innenwelt des Subjekts ein prinzipieller Vorrang gegenĂŒber jeder praktischen Bezugnahme auf die Außenwelt zu.cite-ref-46[46]

Das Wohl der Person ist fĂŒr Plotin identisch mit dem Wohl der Seele, denn die Seele allein ist die Person. Da der Körper kein Bestandteil der Person, sondern nur Ă€ußerlich und vorĂŒbergehend mit ihr verbunden ist, fordert Plotin dazu auf, das Streben nach körperlichen LĂŒsten zu vermeiden. Generell betrachtet er die irdischen Schicksale mit distanzierter Gelassenheit und vergleicht die WechselfĂ€lle des Lebens mit der Inszenierung eines TheaterstĂŒcks.cite-ref-47[47] Kein Ereignis hĂ€lt er fĂŒr so wichtig, dass es einen legitimen Grund zum Aufgeben der gleichmĂŒtigen Grundhaltung des Philosophen böte. Äußere GĂŒter sind fĂŒr das GlĂŒck (Eudaimonie) belanglos, da sie es nicht steigern können; das GlĂŒck beruht vielmehr ausschließlich auf dem „vollkommenen Leben“, der optimal verwirklichten philosophischen Lebensweise.cite-ref-48[48]

Das Schlechte und damit auch das im moralischen Sinne Böse – fĂŒr beides wurde im Altgriechischen das Wort to kakĂłn verwendet – weist kein eigenes Sein auf, sondern ist nur Abwesenheit des Guten. Die Abwesenheit des Guten ist niemals absolut; sie ist nur eine grĂ¶ĂŸere oder geringere EinschrĂ€nkung seiner Wirksamkeit, denn die Einwirkung des Guten erreicht sogar die Materie. Daher ist das Böse keine eigenstĂ€ndige Macht, sondern etwas Nichtiges, BedĂŒrftiges und Kraftloses. Es wird ĂŒberwunden, indem man die Aufmerksamkeit unablĂ€ssig auf das Gute richtet.cite-ref-49[49]

Große Bedeutung misst Plotin der Willensfreiheit zu. Er betont, dass die TĂ€tigkeiten der Seele nicht von Natur aus Wirkungen oder Glieder Ă€ußerer Ursachenverkettungen seien. Vielmehr bezieht die Seele die Kriterien ihrer Entscheidungen aus sich selbst. Nur durch ihre Verbindung mit dem Körper unterliegt sie Ă€ußeren ZwĂ€ngen und auch davon ist ihr Handeln nur teilweise betroffen. Ihrer Natur nach ist sie ein selbstbestimmtes Wesen. Die Willensfreiheit sieht Plotin nicht in der FĂ€higkeit, willkĂŒrlich zwischen verschiedenen Optionen zu wĂ€hlen, also keiner Determination unterworfen zu sein. Vielmehr besteht Willensfreiheit darin, dass man in der Lage ist, gerade das zu tun, wonach das eigene Wesen des Handelnden spontan strebt, wenn er keinem Ă€ußeren Druck und keinem Irrtum unterliegt.cite-ref-50[50] Das nicht willkĂŒrliche, aber spontane Handeln, mit dem die Seele gemĂ€ĂŸ ihrer geistigen Natur konsequent ihrer eigenen Einsicht folgt, ist Ausdruck ihrer Autarkie (SelbstgenĂŒgsamkeit). Sie fĂŒgt sich nicht in eine bereits bestehende KausalitĂ€t ein, sondern setzt selbst den Anfang einer Ursachenreihe. Dieser Überzeugung folgend wendet sich Plotin gegen deterministische und fatalistische Lehren, die das menschliche Schicksal als Ergebnis Ă€ußerer Einwirkungen auffassen. Insbesondere bekĂ€mpft er ein astrologisches Weltbild, das die menschlichen Charaktereigenschaften und Schicksale auf Einwirkungen der Gestirne zurĂŒckfĂŒhrt und damit die Freiheit der Seele beschrĂ€nkt. Einen Einfluss der Sterne rĂ€umt er zwar ein, doch hĂ€lt er ihn fĂŒr unwesentlich. Die Möglichkeit eines blinden Zufalls verneint er, da nichts in der Welt willkĂŒrlich geschehe, sondern alles wohlgeordnet sei.cite-ref-51[51]

Eine Selbsttötung lehnt Plotin im Allgemeinen ab. Er begrĂŒndet dies damit, dass das Motiv zu einer solchen Tat in der Regel mit Affekten zusammenhĂ€nge, denen sich der Philosoph nicht unterwerfen solle. Außerdem schneide man sich damit noch vorhandene Entwicklungsmöglichkeiten ab. Nur in SonderfĂ€llen, etwa wenn Geistesverwirrung droht, hĂ€lt er den freiwillig gewĂ€hlten Tod fĂŒr einen Ausweg, der zu erwĂ€gen ist.cite-ref-52[52]

Die Seele in der Körperwelt

Plotin geht davon aus, dass jede Seele aufgrund ihrer immateriellen Beschaffenheit in der geistigen Welt, der sie entstammt, beheimatet ist. Sie hat aber die Möglichkeit, in die Körperwelt hinabzusteigen und sich dort mit einem Körper zu verbinden, den sie dann lenkt und als Werkzeug benutzt. In dieser Rolle kann sie wiederum wĂ€hlen, ob sie ihre Aufmerksamkeit und ihr Streben ĂŒberwiegend auf das rein Geistige richten oder sich an körperbezogenen Zielen orientieren will. Auf der Erde findet sie materielle Abbilder der Ideen vor, die sie an ihre Heimat erinnern und daher verlockend sind. Diese Abbilder sind allerdings im Gegensatz zu den zeitlosen Ideen vergĂ€nglich und daher trĂŒgerisch. Außerdem sind sie als Abbilder im Vergleich mit ihren Urbildern stets sehr unvollkommen.

Die Verbindung der Seele mit dem Körper fasst Plotin nicht im gĂ€ngigen Sinne so auf, dass die Seele sich im Körper aufhĂ€lt und ihn bewohnt, sondern er meint umgekehrt, dass sie den Körper umschließt.cite-ref-53[53] Beim Tod des Körpers verlĂ€sst ihn die Seele. Die Trennung vom Körper bedeutet aber fĂŒr die Seele keinen Abschied von der Körperwelt, denn nach der platonischen Seelenwanderungslehre sucht sie sich einen neuen Körper. Dies kann nach Plotins Meinung auch ein tierischer oder sogar ein pflanzlicher Körper sein.cite-ref-54[54] So reiht sich eine Wiedergeburt an die andere. GrundsĂ€tzlich hat die Seele aber die Möglichkeit, diesen Kreislauf zu unterbrechen und aus der Körperwelt in ihre geistige Heimat zurĂŒckzukehren.

Der Abstieg der Seele

Eine zentrale Rolle spielt im Denken Plotins die Frage, warum sich eine Seele jemals dafĂŒr entscheidet, ihren naturgemĂ€ĂŸen Ort in der geistigen Welt zu verlassen und sich ins Exil zu begeben. Die Verbindung mit einem Körper unterwirft sie einer Vielzahl von BeschrĂ€nkungen und Nachteilen, die fĂŒr sie naturwidrig sind, und ist daher erklĂ€rungsbedĂŒrftig. Plotin bemĂŒht sich eingehend um eine ErklĂ€rung. Der Abstieg der Seelen aus der geistigen Welt in die Körperwelt und ihre mögliche RĂŒckkehr ist das Kernthema seiner Philosophie. Er fragt nach den Ursachen und Bedingungen beider VorgĂ€nge.

Die ErklĂ€rungen und EinschĂ€tzungen des Abstiegs, die er findet und in seinen Schriften erörtert, vermitteln kein einheitliches Bild. Generell bewertet er jede Wendung zu einem niederen Zustand negativ. Das Höhere ist stets das Erstrebenswerte und alles strebt von Natur aus dem Guten zu. Dass die konsequente Abwendung vom Körperlichen und Hinwendung zum Geistigen und der Aufstieg in die Heimatregion das Ziel der Seele sein soll, steht fĂŒr Plotin unzweifelhaft fest. AusdrĂŒcklich Ă€ußert er seine Ansicht, wonach es fĂŒr die Seele besser ist, ihre Bindungen an die Körperwelt zu lösen und aus dem irdischen Dasein auszuscheiden; damit erlangt sie GlĂŒckseligkeit. Das Leben mit dem Körper ist fĂŒr sie ein Übel, die Trennung von ihm etwas Gutes, der Abstieg der Beginn ihres Unheils. Porphyrios berichtet von seinem Eindruck, dass Plotin sich schĂ€mte, einen Leib zu haben.cite-ref-55[55] Solche Äußerungen scheinen die Folgerung nahezulegen, dass der Abstieg der Seele naturwidrig und ein Fehler ist, der rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden sollte. Diese Konsequenz zieht Plotin aber nicht, denn sie widerspricht seiner GrundĂŒberzeugung, dass die bestehende Weltordnung vollkommen und naturnotwendig ist. Im Rahmen einer durchgĂ€ngig vollkommenen Weltordnung muss auch der Aufenthalt der Seele in einer ihr eigentlich fremden Umwelt einen Sinn haben. Diesen Sinn bemĂŒht er sich zu finden.

Die Lösung findet er in der Annahme, dass das, was fĂŒr die einzelne Seele ein Übel ist, unter dem ĂŒbergeordneten Aspekt der kosmischen Gesamtordnung sinnvoll und notwendig ist. Die Seele erleidet durch ihren Abstieg eine betrĂ€chtliche Einbuße an Wissen und ErkenntnisfĂ€higkeiten. Sie vergisst dabei ihre Herkunft und ihr eigenes Wesen und setzt sich vielen Nöten aus. Aber die Körperwelt profitiert dabei, denn sie erhĂ€lt durch die Anwesenheit der Seele Anteil am Leben und an der geistigen Welt. Solche Teilhabe kann ihr nur die Seele vermitteln, da die Seele die einzige Instanz ist, die als Angehörige des Grenzbereichs zwischen der geistigen und der physischen Welt die Verbindung zwischen den beiden Teilen der Gesamtwirklichkeit herstellen kann. In einer vollkommenen Gesamtordnung muss auch der niedrigste Bereich des Ganzen soweit vervollkommnet werden, wie dies ĂŒberhaupt möglich ist. Diese Aufgabe fĂ€llt den Seelen zu, die sich damit an der FĂŒrsorge fĂŒr das All beteiligen.cite-ref-56[56] Daher können und sollen sich die Seelen nicht endgĂŒltig von der körperlichen Existenzweise befreien. Eine RĂŒckkehr in die geistige Heimat kann nur vorĂŒbergehend sein, denn die Körperwelt bedarf immer der Beseelung, und zwar nicht nur durch die Weltseele und die Gestirnseelen, sondern auch durch die einzelnen Seelen auf der Erde. Der Abstieg der Seelen ist im Rahmen der gesamten Weltordnung eine Notwendigkeit, doch werden sie nicht von einer Ă€ußeren Macht dazu gezwungen, sondern folgen einem inneren Drang. Der Faktor, der sie dabei motiviert, ist ihre KĂŒhnheit oder Dreistigkeit (tĂłlma). Wenn die Seelen absteigen, wenden sie sich nicht grundsĂ€tzlich vom Guten ab und dem Schlechten bzw. Schlechteren zu. Sie streben weiterhin stets nach dem Guten, doch suchen sie es nunmehr in Bereichen, wo es in geringerem Maße hervortreten kann.

Daneben trĂ€gt Plotin noch weitere Argumente fĂŒr seine Annahme vor, dass der Abstieg der Seelen in die Körperwelt kein Fehler in der Weltordnung ist. Die Seele ist von Natur aus so veranlagt, dass sie sowohl in der geistigen als auch in der materiellen Welt leben kann. Daher muss es ihrer Natur entsprechen, diese doppelte Veranlagung auch auszuleben. Indem die Seele im irdischen Dasein Schlechtigkeit erlebt, gewinnt sie höhere WertschĂ€tzung fĂŒr das Gute. Außerdem kann sie ihre eigenen KrĂ€fte durch die Verbindung mit einem Körper zu einer Wirksamkeit bringen, die in der geistigen Welt mangels Gelegenheit zur Entfaltung ausgeschlossen ist. In der geistigen Welt existieren diese KrĂ€fte nur potenziell und bleiben verborgen, zur Verwirklichung gelangen können sie nur durch die Auseinandersetzung mit der Materie. Die Seele, die in die Körperwelt hinabgestiegen ist, will fĂŒr sich sein. Sie will etwas anderes als der Geist sein und sich selbst gehören; an ihrer Selbstbestimmung hat sie Freude. Sie begeistert sich fĂŒr das andersartige Irdische und schĂ€tzt es aus Unkenntnis höher als sich selbst.cite-ref-57[57]

Dass die Seelen ihrem Drang zum Abstieg folgen, bedeutet fĂŒr Plotin ein Verschulden, das Leiderfahrung zur Folge hat, doch im Rahmen der Weltordnung ist es sinnvoll und notwendig. Diese Ambivalenz des Abstiegs, den Plotin einerseits als schuldhaft, andererseits als naturnotwendig darstellt, ist ein offenes Problem und hat in der Forschung zu verschiedenen Deutungsversuchen Anlass gegeben.cite-ref-58[58]

Eine Besonderheit der Lehre Plotins ist seine Überzeugung, dass sich die Seele nicht in ihrer Gesamtheit, sondern nur teilweise an einen Körper bindet. Sie bewahrt nicht nur durch ihre DenkfĂ€higkeit die Verbindung mit dem Nous, sondern ihr höchster Teil verbleibt immer in der geistigen Welt. Durch diesen höchsten Teil hat sie, auch wenn ihr verkörperter Teil Unheil erleidet, stĂ€ndig Anteil an der ganzen FĂŒlle der geistigen Welt.cite-ref-59[59] Damit erklĂ€rt sich fĂŒr Plotin das VerhĂ€ltnis der Seele zu den leidvollen Affekten (GemĂŒtserregungen). Die mannigfaltigen Leiden und UnzulĂ€nglichkeiten des irdischen Daseins erlebt die Seele mit, aber die Affekte, die dabei entstehen, betreffen sie in Wirklichkeit nicht. Ihrem eigenen Wesen nach und hinsichtlich ihres höchsten Teils ist die Seele frei von Leid. Auch der Körper als solcher kann nicht leiden. Der TrĂ€ger der Affekte ist der aus dem Leib und dem verkörperten Teil der Seele bestehende Organismus. Er ist auch das Subjekt der Sinneswahrnehmung.

Der Aufstieg der Seele

Als Weg zur Befreiung der Seele betrachtet Plotin die philosophische Lebensweise. Auch hier gilt der Grundsatz, dass die Seele dasjenige erlangt oder verwirklicht, dem sie sich zuwendet. Wenn sie sich nach oben orientiert, steigt sie auf. Die Anleitung soll Platons Lehre bieten, die Plotin unter diesem Gesichtspunkt ausbaut. Pflege der Tugenden und unablĂ€ssige Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf den Nous sind Voraussetzungen zur Erreichung des Ziels. Den Antrieb zu diesem Streben verschafft der Seele ihre Sehnsucht nach dem Schönen, denn die Sehnsucht lenkt sie zur Quelle der Schönheit, dem Nous. Das Schöne besteht nicht, wie die Stoiker meinen, in der Symmetrie von Teilen untereinander und zum Ganzen, denn auch Ungeteiltes kann schön sein.cite-ref-60[60] Vielmehr ist es eine metaphysische RealitĂ€t, auf welche das sinnlich wahrnehmbare Schöne als ihr Abbild hinweist. Indem das sinnlich Schöne auf das geistig Schöne hinlenkt, erfreut und erschĂŒttert es die Seele, denn es erinnert sie an ihr eigenes Wesen. Die Schönheit hĂ€ngt ursĂ€chlich mit der Beseeltheit zusammen; alles Lebendige ist durch die bloße Anwesenheit der Seele schöner als alles Leblose, auch wenn ein Bildwerk hinsichtlich der Symmetrie einem lebenden Menschen weit ĂŒberlegen sein mag.cite-ref-61[61] Somit ist die Schönheit im eigentlichen Sinn ein Aspekt der geistigen Welt und unterliegt als solcher nicht einem auf Sinneswahrnehmung gestĂŒtzten Urteil.

Um das metaphysische Schöne wahrnehmen zu können, muss die Seele sich selbst schön und damit gottĂ€hnlich machen, indem sie sich reinigt. Dies geschieht mittels der Tugend, denn die Tugendhaftigkeit ist Ausdruck des Trachtens nach dem Guten und die AnnĂ€herung an das Gute fĂŒhrt zugleich auch zum Schönen, da das „Licht“ des Guten die Quelle aller Schönheit ist. Die Seele hat sich durch HĂ€ssliches verunreinigt, aber nur Ă€ußerlich; wenn sie die Verunreinigung beseitigt, kann ihre bereits vorhandene naturgegebene Schönheit hervortreten. Der Weg fĂŒhrt vom körperlich Schönen, einem sehr unzulĂ€nglichen Abbild, zum seelischen Schönen und von dort zum an sich Schönen, das im Geist zu finden ist. Der in jeder Seele vorhandene Eros richtet sich beim unphilosophischen Menschen auf Schönheit in den Sinnesobjekten, beim Philosophen auf die geistige Welt. Noch höher als die Liebe zum metaphysischen Schönen steht die Liebe zum absoluten Guten.cite-ref-62[62]

Die RĂŒckkehr der einzelnen Seelen in die geistige Welt bedeutet nicht, dass ihre IndividualitĂ€t durch den Wegfall der Körperlichkeit aufgehoben wird und sie zu einem nicht mehr unterscheidbaren Bestandteil der Weltseele werden. Das Individuationsprinzip (die Ursache der IndividualitĂ€t) ist nĂ€mlich fĂŒr Plotin nicht die Materie, sondern eine Veranlagung zur IndividualitĂ€t als naturgegebenes Merkmal der Einzelseelen.

Auseinandersetzung mit der Gnosis

Gewöhnlich erörtert Plotin unterschiedliche Positionen ruhig und sachlich. Eine Ausnahme bildet seine Auseinandersetzung mit der Gnosis, die er mit großer Heftigkeit fĂŒhrt. Dazu bemerkt er, eigentlich sei eine noch drastischere Ausdrucksweise angebracht. Er halte sich aber zurĂŒck, um einige seiner Freunde, die frĂŒher Gnostiker waren und nun als Platoniker unbegreiflicherweise weiterhin auf gnostischen Anschauungen beharrten, nicht zu krĂ€nken.cite-ref-63[63]

Der Grund fĂŒr dieses massive AbgrenzungsbedĂŒrfnis war, dass Plotin meinte, das Gedankengut der Gnosis sei fĂŒr seine SchĂŒler eine gefĂ€hrliche Versuchung. Eine Herausforderung war die Gnosis fĂŒr den Platonismus, weil einerseits ihr Gedankengut Übereinstimmungen mit dem platonischen aufwies und das gnostische Erlösungsstreben dem Hauptanliegen des Neuplatonismus Ă€hnlich schien, andererseits aber die Gnostiker aus den gemeinsamen Grundannahmen Konsequenzen zogen, die mit dem neuplatonischen Weltbild unvereinbar waren.

Sowohl Gnostiker als auch Neuplatoniker waren der Überzeugung, dass die Bindung an den Körper fĂŒr die Seele nachteilig sei und dass sie sich von den Verlockungen der Sinnenwelt abwenden und den Aufstieg in ihre geistige Heimat anstreben solle. Die Gnostiker, gegen die sich Plotin wandte, bewerteten diesen Befund aber anders als er. Aus dem Unheil, das der Seele in ihrem irdischen Dasein widerfĂ€hrt, folgerten sie, der Abstieg in die Körperwelt sei auf einen ursprĂŒnglichen Irrtum zurĂŒckzufĂŒhren. Diese Fehlentscheidung mĂŒsse definitiv rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden. Anzustreben sei eine endgĂŒltige Befreiung von dem materiellen Elend, das fĂŒr die Seele widernatĂŒrlich sei. Die physische SphĂ€re sei nicht der unterste Bereich eines ewigen, insgesamt optimalen Universums, sondern das missratene Werk eines irregeleiteten Schöpfers. Der sichtbare Kosmos sei nicht von einer wohlwollenden Vorsehung gelenkt; vielmehr sei er eine feindliche Umwelt, der kein Respekt gebĂŒhre.

Gegen diese Kritik an der sichtbaren Welt wandte sich Plotin mit seiner Verteidigung der universalen Ordnung, die auch den sichtbaren Kosmos einschließe. Dieser sei eine göttliche Schöpfung, ein bewundernswerter Bestandteil der bestmöglichen Welt, von Schönheit erfĂŒllt und in seiner Gesamtheit auf das Gute ausgerichtet. Was darin bei oberflĂ€chlicher Betrachtung als tadelnswert erscheinen mag, sei in Wirklichkeit notwendig, da in einer hierarchisch abgestuften Welt nicht alles gleichermaßen der FĂŒlle des Seins teilhaftig sein könne. Die Weltordnung sei gerecht, denn jeder erhalte das ihm GebĂŒhrende. Ein Beweis fĂŒr weise göttliche Lenkung sei die Ordnung und RegelmĂ€ĂŸigkeit der VorgĂ€nge am Himmel. Die Gnostiker hĂ€tten alles, was an ihren Lehren wahr sei, von Platon und den griechischen Philosophen der FrĂŒhzeit ĂŒbernommen, doch ohne deren Erkenntnisse richtig zu verstehen und zu wĂŒrdigen. Was sie selbst hinzugefĂŒgt hĂ€tten, das sei unsinnig und frevelhaft.cite-ref-64[64] Unmöglich sei es, wie sie wĂ€hnten, ohne Anstrengung und philosophisches BemĂŒhen ans Ziel zu gelangen.cite-ref-65[65]

Plotin argumentiert innerhalb des Bezugsrahmens seines eigenen Systems, in den er auch die gegnerische Weltsicht einfĂŒgt. Seine BeweisfĂŒhrung ist an Leser gerichtet, die seine Grundposition teilen.cite-ref-66[66]

Logik

In der Logik ĂŒbt Plotin Kritik an der Kategorienlehre des Aristoteles, da sie ihrem Anspruch, eine universal gĂŒltige Einteilung des Seienden zu bieten, nicht gerecht werde. Er macht geltend, dass dieses System nur fĂŒr die Beschreibung der sinnlich wahrnehmbaren Welt ersonnen sei; auf die weitaus wichtigere geistige Welt sei das aristotelische Schema der zehn Kategorien nicht anwendbar. Die Kategorie Ousia (Substanz, wörtlich „Seiendheit“) könne wegen der prinzipiellen Verschiedenheit der geistigen und der physischen Seinsweise nicht beide umfassen. Es fehle eine Definition dieser Kategorie, die ein besonderes Merkmal des Seins angibt, das bei allen Arten von Sein gleichermaßen vorliegt. Die Kategorie der Relation sei teils von den Ideen hervorgebracht, teils erst mit dem menschlichen Denken entstanden und daher fĂŒr die Ideenwelt ungeeignet. Die Kategorien des Qualitativen, des Orts, der Lage, der Zeit, des Tuns, des Erleidens und des Habens seien fĂŒr die geistige Welt unbrauchbar, da diesen Begriffen dort nichts entspreche. Außerdem seien die zehn Kategorien des Aristoteles bloße Aussageweisen und nicht die höchsten Gattungen des Seienden. Damit wendet sich Plotin gegen die Überzeugung des Aristoteles, dass das Sein in den verschiedenen Formen der Aussage selbst erscheint. Er betont den Unterschied zwischen dem Sein und dessen diskursivem Ausdruck.

FĂŒr die geistige Welt nimmt Plotin ein Schema von fĂŒnf statt zehn Kategorien an: Seiendheit (ousĂ­a), Bewegung (kĂ­nēsis), VerĂ€nderungslosigkeit (stĂĄsis), IdentitĂ€t (tauton) und Verschiedenheit (heteron). Diese entsprechen den „grĂ¶ĂŸten Gattungen“ (megista genĂȘ), die Platon in seinem Dialog Sophistes benennt.cite-ref-67[67] Die Bewegung hĂ€lt Plotin fĂŒr eine Notwendigkeit in der geistigen Welt, da sie ein Wesensmerkmal des Lebendigen und fĂŒr das Denken erforderlich sei – das Seiende sei „nichts Totes“.cite-ref-68[68] FĂŒr die Sinnenwelt seien andere Kategorien erforderlich, nicht wie Aristoteles meinte zehn, sondern ebenfalls nur fĂŒnf: Seiendheit im uneigentlichen Sinn (wobei „Werden“ eine angemessenere Bezeichnung wĂ€re), QuantitĂ€t, QualitĂ€t, Relation und Bewegung. Von Seiendheit könne man hier im eigentlichen Sinne nicht sprechen, da das physisch „Seiende“ nur eine variable Verbindung von Materie und Gestalt (QualitĂ€ten) sei. Ort und Zeit seien der Relation zuzurechnen, die Lage gehöre zum Ort. Tun und Erleiden seien keine eigenen Kategorien, sondern nur SpezialfĂ€lle von VerĂ€nderung und damit zur Kategorie Bewegung gehörig. Die Kategorie Haben erĂŒbrige sich.cite-ref-69[69]

Auch die stoische Kategorienlehre kritisiert Plotin detailliert. Insbesondere hĂ€lt er es fĂŒr unsinnig, eine Oberkategorie „Etwas“ (ti) anzunehmen, denn sie sei heterogen und umfasse Wesensverschiedenes (Körperliches und Unkörperliches, Seiendes und Werdendes).cite-ref-70[70]

Rezeption

Antike

FĂŒr Plotins Nachruhm und die Nachwirkung seines Lebenswerks wurden die BemĂŒhungen des Porphyrios, seines weitaus berĂŒhmtesten SchĂŒlers, wegweisend. Porphyrios schrieb eine Biografie seines Lehrers, in der er berichtete, nach Plotins Tod habe Amelios das Orakel von Delphi ĂŒber das Schicksal der Seele des Verstorbenen befragt und dabei erfahren, sie sei in ein Reich der Seligen aufgenommen worden. Indem Porphyrios die Schriften seines Lehrers ordnete, redigierte und veröffentlichte, rettete er sie fĂŒr die Nachwelt. Er stellte auch eine Sammlung von Zitaten und paraphrasierten Aussagen Plotins zusammen, die „Sentenzen, die zum Intelligiblen fĂŒhren“. Außerdem verfasste er ErlĂ€uterungen (hypomnᾗmata) zu Schriften Plotins und nahm auch in anderen seiner zahlreichen Werke auf dessen Lehren Bezug. Damit hatte Porphyrios einen maßgeblichen Anteil am Fortleben der von Plotin begrĂŒndeten neuen Schulrichtung, die heute „Neuplatonismus“ genannt wird.

Allerdings verwarf Porphyrios manche Positionen Plotins. Insbesondere lehnte er die Kritik seines Lehrers am Kategoriensystem des Aristoteles ab und trug damit wesentlich dazu bei, dass sie im spĂ€tantiken Neuplatonismus wenig Anklang fand und die mittelalterliche Logik nicht beeinflussen konnte. Im Unterschied zu Plotin hielt Porphyrios eine endgĂŒltige Trennung der Seele von der materiellen Welt fĂŒr möglich und erstrebenswert. Damit kam er der christlichen Erlösungsvorstellung nĂ€her als sein Lehrer. Andererseits ĂŒbte er mit seiner Streitschrift „Gegen die Christen“ heftige Kritik am Christentum und löste damit bei den KirchenvĂ€tern scharfe Reaktionen aus; den Anstoß zu diesem Vorgehen hatte ihm Plotin gegeben.

Amelios Gentilianos, der zweitbekannteste SchĂŒler Plotins, stellte seine Aufzeichnungen aus dessen Lehrveranstaltungen zusammen. Als er in den Osten des Römischen Reichs ĂŒbersiedelte, nahm er diese auf etwa hundert BĂŒcher angewachsene Sammlung mit. Sie erlangte eine gewisse Verbreitung. Der erst in Athen lehrende, spĂ€ter im Reich von Palmyra als Berater der dortigen Herrscherin Zenobia tĂ€tige Platoniker Longinos ließ Abschriften von Amelios’ Exemplaren der Schriften Plotins anfertigen. Obwohl Longinos die meisten Grundannahmen des Neuplatonismus verwarf, Ă€ußerte er seinen tiefen Respekt fĂŒr Plotins philosophische Arbeitsweise.

Im Osten lebte und lehrte auch Iamblichos, der prominenteste SchĂŒler des Porphyrios. Er widersprach verschiedenen Ansichten seines Lehrers nachdrĂŒcklich und gab damit der weiteren Entwicklung des Neuplatonismus wiederum eine etwas andere Richtung. Gegen Plotin wandte sich Iamblichos mit seiner Ablehnung von dessen Ansicht, dass ein Teil der Seele auch wĂ€hrend ihres Aufenthalts auf der Erde immer in der geistigen Welt verbleibe und uneingeschrĂ€nkt deren FĂŒlle genieße. Er argumentierte, dass dann auch der verkörperte Seelenteil der damit verbundenen Seligkeit stĂ€ndig teilhaftig sein mĂŒsste, was aber nicht der Fall sei. Somit verliere die Seele durch ihren Abstieg die Verbindung mit der geistigen Welt. Daher schĂ€tzte Iamblichos die FĂ€higkeit der Seele, sich aus eigener Kraft zu erlösen, nicht so optimistisch ein wie Plotin, sondern hielt eine BemĂŒhung um göttlichen Beistand mittels Theurgie fĂŒr erforderlich. SpĂ€tere Neuplatoniker schlossen sich seiner Ansicht an.cite-ref-71[71]

Trotz verbreiteter Ablehnung einzelner Positionen Plotins blieb seine Lehre im spĂ€tantiken Neuplatonismus prĂ€sent; die Neuplatoniker zitierten ihn in ihren Platon- und Aristoteles-Kommentaren. Seine Schriften wirkten auch indirekt ĂŒber das umfangreiche, heute großenteils verlorene ƒuvre des Porphyrios nach, das zahlreiche Plotin-Zitate enthielt. Macrobius paraphrasierte in seinem Kommentar zu Ciceros Somnium Scipionis Passagen der Enneaden. Im 5. Jahrhundert kommentierte der berĂŒhmte Neuplatoniker Proklos die Enneaden; von seinem Werk sind nur einige Fragmente erhalten geblieben. Er wĂŒrdigte Plotin zwar als bedeutenden Platoniker,cite-ref-72[72] verwarf aber seine Lehre von der substanziellen Gleichheit menschlicher und göttlicher Seelen sowie die Identifikation der Materie mit dem Übel schlechthin.cite-ref-73[73]

SpÀtantike Plotin-Zitate wurden oft nicht direkt seinen Werken entnommen, sondern stammten aus zweiter oder dritter Hand. Aus ihrer HÀufigkeit kann daher nicht auf entsprechende Verbreitung der Originalwerke geschlossen werden. Manche Zitate enthalten Aussagen, die in den Enneaden nicht bzw. nur in stark abweichender Form zu finden sind. Daher ist in der Forschung vermutet worden, dass sie aus den Aufzeichnungen des Amelios aus Plotins Unterricht stammen. Proklos hat diese Aufzeichnungen nachweislich herangezogen.cite-ref-74[74]

Trotz der gewichtigen, von Porphyrios betonten GegensĂ€tze zwischen dem neuplatonischen und dem christlichen Welt- und Menschenbild kam es schon im 4. Jahrhundert zu AnnĂ€herungen. Eine wesentliche Rolle spielte dabei der zum Christentum konvertierte Neuplatoniker Gaius Marius Victorinus, der die Enneaden ins Lateinische ĂŒbersetzte. Seine Übersetzung war möglicherweise unvollstĂ€ndig und ist nicht erhalten geblieben. Der Ă€ußerst einflussreiche Kirchenvater Augustinus von Hippo verwendete die lateinische Übersetzung; möglicherweise hatte er auch Zugang zum Originaltext, doch waren seine Griechischkenntnisse mangelhaft. Er setzte sich intensiv mit dem Neuplatonismus plotinischer PrĂ€gung auseinander.cite-ref-75[75] Auch andere patristische Autoren empfingen von Plotin Anregungen. Der Kirchenvater Ambrosius von Mailand fĂŒgte umfangreiche AuszĂŒge aus den Enneaden in einige seiner Werke ein, ohne die Quelle zu nennen. Weitere christliche Schriftsteller, die Plotin zitierten bzw. seine Gedanken oder Formulierungen fĂŒr ihre Zwecke verwerteten, waren Eusebios von Caesarea, in dessen Praeparatio evangelica sich umfangreiche Enneaden-Zitatecite-ref-76[76] befinden, Kyrill von Alexandria, Theodoret, Aineias von Gaza, Synesios von Kyrene und Johannes von Skythopolis.cite-ref-77[77] Allerdings beweisen einzelne inhaltliche oder auch wörtliche Übereinstimmungen mit Texten Plotins nicht, dass der betreffende spĂ€tantike christliche Autor die Enneaden tatsĂ€chlich gelesen hat, denn er kann sich auf Zitate und Inhaltswiedergaben in spĂ€terer Literatur gestĂŒtzt haben.

Mittelalter

Im Byzantinischen Reich blieb der Originaltext der Enneaden erhalten; er scheint aber im FrĂŒhmittelalter wenig Beachtung gefunden zu haben. Erst im 11. Jahrhundert erwachte das Interesse, als Michael Psellos sich um eine Wiederbelebung der neuplatonischen Tradition bemĂŒhte. Psellos, ein guter Plotinkenner, verwertete die Enneaden ausgiebig in seinen Werken und fertigte AuszĂŒge aus Proklos’ Enneaden-Kommentar an. Im SpĂ€tmittelalter zitierte Nikephoros Gregoras die Enneaden und der aus kirchlicher Sicht argumentierende Gelehrte Nikephoros Choumnos verfasste eine Streitschrift gegen die Seelenlehre Plotins. Im 15. Jahrhundert vertrat der Gelehrte und Philosoph Georgios Gemistos Plethon, ein eifriger AnhĂ€nger des Platonismus, einige Lehren Plotins.cite-ref-78[78]

In der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Westens lagen die Schriften Plotins weder griechisch noch in lateinischer Übersetzung vor. Auch der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil von Porphyrios’ Werken einschließlich der Plotin-Biografie war unbekannt. Daher beschrĂ€nkte sich die Plotin-Rezeption auf indirekte Einwirkung seines Gedankenguts, die vor allem ĂŒber die sehr einflussreichen Schriften des Augustinus, des christlichen Neuplatonikers Pseudo-Dionysios Areopagita und des Macrobius erfolgte. Immerhin waren dank Augustinus und Macrobius einige Lehren Plotins bekannt, darunter seine Einteilung der Tugenden. Im 12. Jahrhundert begab sich der Theologe Hugo Etherianus nach Konstantinopel, wo er offenbar die Enneaden lesen konnte; er zitierte sie, wenn auch ungenau, in einem lateinischen theologischen Traktat.

In der arabischsprachigen Welt kursierten arabische Paraphrasen von Teilen der Enneaden, die alle auf ein im 9. Jahrhundert im Umkreis des Philosophen al-KindÄ« entstandenes, in seiner ursprĂŒnglichen Fassung nicht erhaltenes Werk zurĂŒckgehen. Der „arabische Plotin“ beeinflusste muslimische und jĂŒdische Denker. Besonders beliebt war eine in einer lĂ€ngeren und einer kĂŒrzeren Fassung verbreitete Abhandlung, die unter dem irrefĂŒhrenden Titel „Theologie des Aristoteles“ bekannt ist. Sie enthĂ€lt weitschweifige AusfĂŒhrungen, die großenteils Übersetzungen oder Paraphrasen aus den BĂŒchern IV–VI der Enneaden sind, wobei jedoch Plotins Aussagen mit fremdem Material vermischt und teilweise verfĂ€lscht sind.cite-ref-79[79] Zahlreiche Gelehrte, darunter Avicenna, schrieben arabische Kommentare zur „Theologie“. Ein „Brief ĂŒber die göttliche Weisheit“, der fĂ€lschlich dem Philosophen al-FārābÄ« zugeschrieben wurde, enthĂ€lt Paraphrasen von Teilen der fĂŒnften Enneade. Auch bei einer fragmentarisch ĂŒberlieferten Sammlung von SprĂŒchen, die man auf einen nicht namentlich genannten griechischen Weisheitslehrer (aĆĄ-Ć ayáž« al-YĆ«nānÄ«) zurĂŒckfĂŒhrte, handelt es sich um Material aus den Enneaden. In allen diesen arabisch ĂŒberlieferten Werken wird Plotin nirgends als Urheber des Gedankenguts genannt. Sein Name kommt im mittelalterlichen arabischen Schrifttum sehr selten vor.

FrĂŒhe Neuzeit

In der Renaissance beschrĂ€nkte sich die Plotinkenntnis zunĂ€chst weiterhin auf die Zitate bei Augustinus und Macrobius; mehr stand im 14. Jahrhundert Petrarca und noch im 15. Jahrhundert Lorenzo Valla nicht zur VerfĂŒgung. Doch schon im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts gelang es einigen Humanisten, sich griechische Enneaden-Abschriften zu verschaffen. Zu ihnen gehörten Giovanni Aurispa, Francesco Filelfo und Palla Strozzi. Eine intensive Plotin-Rezeption setzte jedoch erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts ein. Dabei war die Arbeit von Marsilio Ficino bahnbrechend. Ficino ĂŒbersetzte die Enneaden 1484–1486 ins Lateinische und schrieb anschließend einen Kommentar dazu. Die Übersetzung erschien zusammen mit dem Kommentar erstmals 1492 in Florenz im Druck und fand alsbald in humanistischen Kreisen viel Beachtung. In seinem Hauptwerk, der 1482 veröffentlichten „Platonischen Theologie“, machte Ficino Plotins Lehre zum Grundstock seines ontologischen Systems. Auch in seinem Kommentar zu Platons Dialog Symposion verwertete er Gedankengut Plotins. In der Vorrede zu seiner Enneaden-Übersetzung drĂŒckte er seine Ansicht, dass Plotin ein vorzĂŒglicher Ausleger Platons sei, drastisch aus: Er schrieb, dass Platons Urteil ĂŒber Plotin so lauten wĂŒrde wie die Worte Gottes bei der VerklĂ€rung des Herrn: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich ĂŒberall Gefallen finde; auf ihn hört!“ (Mt 17,5 ).cite-ref-80[80] Ficinos Freund Giovanni Pico della Mirandola bemerkte in seiner Rede ĂŒber die WĂŒrde des Menschen, bei Plotin, der sich ĂŒber Göttliches göttlich Ă€ußere, gebe es nichts in besonderer Weise zu bewundern, denn er zeige sich von allen Seiten bewundernswert.cite-ref-81[81]

1519 erschien in Rom eine lateinische Übersetzung der „Theologie des Aristoteles“, die fortan auch im Westen als authentisches Werk des Aristoteles galt und in Ausgaben von dessen Werken aufgenommen wurde. Dieser Irrtum fĂŒhrte dazu, dass man Aristoteles zu Unrecht eine neuplatonische Denkweise unterstellte. Zwar wurde seine Autorschaft schon im 16. Jahrhundert bestritten, unter anderem von Luther und Petrus Ramus, doch erst 1812 konnte Thomas Taylor zeigen, dass die „Theologie“ auf den Enneaden fußt.

Die erste, sehr fehlerhafte griechische Enneaden-Edition wurde erst 1580 in Basel herausgebracht. Dieser Text blieb bis in die Moderne maßgeblich.

Im 16. Jahrhundert lieferte Plotins Seelenlehre christlichen Philosophen und Dichtern Argumente fĂŒr die individuelle Unsterblichkeit der menschlichen Seele.cite-ref-82[82] Im spĂ€ten 16. und im 17. Jahrhundert verminderte sich aber sein Ansehen, das anfangs infolge von Ficinos AutoritĂ€t sehr groß gewesen war. Resonanz fand seine Philosophie jedoch bei Henry More († 1687) und Ralph Cudworth († 1688), die zur Gruppe der Cambridger Platoniker gehörten. Im 18. Jahrhundert wurde Plotin meist wenig geschĂ€tzt: Theologen kritisierten die von Ficino initiierte Verschmelzung von Christentum und Neuplatonismus, AufklĂ€rern waren die religiös-metaphysischen Fragestellungen der antiken Neuplatoniker zumeist fremd. Überdies wurde der Neuplatonismus nun als SonderphĂ€nomen von den Ă€lteren Traditionen des Platonismus abgegrenzt und als VerfĂ€lschung der Lehre Platons eingestuft. Allerdings setzte sich George Berkeley mit Plotin auseinander und zitierte ihn hĂ€ufig in seiner Schrift Siris.cite-ref-83[83]

Moderne

Im 19. und 20. Jahrhundert wirkte Plotins Gedankengut vielfĂ€ltig nach, wobei es sich allerdings oft um eine generelle Rezeption des Neuplatonismus ohne direkten Bezug auf dessen BegrĂŒnder handelte.

Philosophie und Belletristik

Schon im spĂ€ten 18. Jahrhundert hatte in Deutschland vereinzelt ein neues Interesse am Neuplatonismus eingesetzt, das sich um die Jahrhundertwende intensivierte. Novalis begeisterte sich ab 1798 fĂŒr Plotin.cite-ref-84[84] Goethe ließ sich 1805 den griechischen Text der Enneaden besorgen, da er sich fĂŒr die authentische Terminologie interessierte und mit Ficinos Übersetzung nicht zufrieden war. Besonders beeindruckte Goethe die Bemerkung Plotins: Kein Auge könnte je die Sonne sehen, wenn es nicht sonnenhaft wĂ€re; so sieht auch keine Seele das Schöne, wenn sie nicht schön geworden ist.cite-ref-85[85] Dieser Vergleich inspirierte ihn 1805 zu einem auf empedokleischen Vorstellungen beruhenden Gedichtcite-ref-86[86], das er 1828 in den Zahmen Xenien veröffentlichte:cite-ref-87[87] WĂ€r’ nicht das Auge sonnenhaft, / Die Sonne könnt’ es nie erblicken; / LĂ€g’ nicht in uns des Gottes eigne Kraft, / Wie könnt’ uns Göttliches entzĂŒcken?cite-ref-88[88] Carl Friedrich Zelter drĂŒckte in einem Brief an Goethe seine Bewunderung fĂŒr Plotin aus und stellte fest: Er gehört in jedem Falle zu den Unsern.cite-ref-89[89] Friedrich Creuzer ĂŒbersetzte 1805 eine Schrift aus den Enneaden ins Deutsche und trug damit erheblich zur Verbreitung von Plotins Gedankengut bei. 1835 veröffentlichte er in Oxford zusammen mit Georg Heinrich Moser eine neue Gesamtausgabe der Enneaden.

Hegel las die Enneaden im griechischen Originaltext; allerdings stand ihm nur die unzulĂ€ngliche Ausgabe von 1580 zur VerfĂŒgung. Er betrachtete die Entstehung des Neuplatonismus als wichtige ZĂ€sur in der Geistesgeschichte, vergleichbar dem Aufkommen des Platonismus und des Aristotelismus. Allerdings hielt er Plotins Lehre fĂŒr eine Vorstufe seines eigenen Idealismus und verkĂŒrzte sie damit. Einen zentralen Aspekt von Plotins Philosophie, die absolute Transzendenz des â€žĂŒberseienden“ Einen, ĂŒberging Hegel. FĂŒr ihn war das mit dem Sein gleichgesetzte Denken das oberste Prinzip und daher der Nous vom Einen nicht verschieden. Indem er die höchstrangige Wirklichkeit als reines Sein bestimmte, bestritt er die fĂŒr Plotin wichtige völlige Bestimmungslosigkeit des Einen. Er kritisierte, Plotin habe das Hervorgehen des Zweiten (Nous) aus dem Einen nur in Vorstellungen und Bildern ausgedrĂŒckt, statt es dialektisch darzustellen, und er habe das, was in Begriffen bestimmt werden sollte, als Wirklichkeit beschrieben. Das Absolute Hegels tritt aus sich heraus und kehrt dann zu sich zurĂŒck, was fĂŒr Plotins unwandelbares Eines unmöglich ist.cite-ref-90[90]

Im Unterschied zu Hegel fasst Schelling im Sinne Plotins das Eine (Gott) als „absolute Indifferenz“ auf. Gott geht niemals aus sich heraus, da er sonst nicht absolut und somit nicht Gott wĂ€re. Darin zeigt sich Schellings besondere NĂ€he zu Plotins Denken, die auch seinen Zeitgenossen auffiel. Allerdings lĂ€sst er im Gegensatz zu Plotin das Absolute sich selbst denken. Schellings Emanationsvorstellung knĂŒpft an die plotinische an, doch betrachtet er den Übergang von der Transzendenz zur Immanenz als freien Schöpfungsakt, wĂ€hrend Plotin die ĂŒberzeitlich gedachte Bewegung vom Absoluten zum Hervorgegangenen auf eine gesetzmĂ€ĂŸige Notwendigkeit zurĂŒckfĂŒhrt. Wie Plotin nimmt Schelling neben der Entfernung vom Ursprung auch eine Gegenbewegung an, die zum Ausgangspunkt zurĂŒckfĂŒhrt. Auch hinsichtlich der Deutung der Materie folgt er dem antiken Philosophen.cite-ref-91[91]

Verbreitet war eine Beurteilung Plotins unter dem Gesichtspunkt derjenigen Aspekte seiner Philosophie, die Ähnlichkeiten mit dem System Hegels aufweisen. Denker, die Hegel ablehnten, Ă€ußerten sich auch ĂŒber Plotin abfĂ€llig. Arthur Schopenhauer kritisierte in seinen Parerga und Paralipomena die Enneaden; er bemĂ€ngelte, die Gedanken seien nicht geordnet, ihre Darbietung langweilig, weitschweifig und konfus. Plotin sei zwar „keineswegs ohne Einsicht“, doch sei seine Weisheit fremden Ursprungs, sie stamme aus dem Orient.cite-ref-92[92] Der Philosoph Franz Brentano, ein Gegner des Deutschen Idealismus, unternahm 1876 in seiner Schrift Was fĂŒr ein Philosoph manchmal Epoche macht einen scharfen Angriff auf Plotins Lehre, die aus lauter unbewiesenen Behauptungen bestehe.

In Frankreich trug der Kulturphilosoph Victor Cousin im 19. Jahrhundert viel zur Vertiefung des Interesses an Plotin und am Neuplatonismus bei. Zu den dortigen Denkern, die von Plotin Anregungen empfingen, gehörte vor allem Henri Bergson. Bergsons Urteil ĂŒber Plotins Philosophie fiel zwiespĂ€ltig aus: Einerseits teilte er ihr Grundkonzept der Einheit als Ursache fĂŒr die Existenz jeglicher Vielheit, andererseits hielt er die neuplatonische GeringschĂ€tzung der materiellen Welt fĂŒr verfehlt.cite-ref-93[93] Émile BrĂ©hier, Bergsons Nachfolger an der Sorbonne, vertrat die Ansicht, die als objektive metaphysische Lehren formulierten Aussagen Plotins seien in Wirklichkeit Beschreibungen innerer Erlebnisse und VorgĂ€nge. Da Plotin außerstande gewesen sei, psychische Tatsachen anders als auf diese Weise auszudrĂŒcken, habe er seine BewusstseinszustĂ€nde zu Seinsstufen erhoben. BrĂ©hiers Deutung fand einigen Anklang, doch steht ihr die Einbettung von Plotins Lehre in die Tradition des antiken Platonismus entgegen.

Im Zeitraum von 1787 bis 1834 ĂŒbersetzte Thomas Taylor die HĂ€lfte der Enneaden ins Englische. Seine Übersetzungen von Schriften antiker Neuplatoniker schufen eine wichtige Voraussetzung fĂŒr die Popularisierung des Neuplatonismus im englischen Sprachraum. Mit dem Einfluss des Deutschen Idealismus wuchs dort auch das Interesse an Plotin.

Im 20. Jahrhundert setzte sich Karl Jaspers mit Plotin auseinander. Er nannte ihn „eine ewige Gestalt des Abendlandes“ und sein Leben und Denken „eines der großen Beispiele der durch nichts zu hemmenden Kraft der Philosophie“. Andererseits kritisierte er Plotins Missachtung der Geschichtlichkeit als eine BeschrĂ€nkung.cite-ref-94[94] Hans Jonas stellte Plotin in die geistige Strömung der Gnosis hinein. Er meinte, Plotins Philosophie sei eine in Metaphysik transformierte Gnosis.cite-ref-95[95] Hugo Fischer verglich Fragestellungen und Perspektiven moderner Philosophie mit der Herangehensweise Plotins.cite-ref-96[96]

Altertumswissenschaft

Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff meinte aus philologischer Sicht, die Enneaden seien ein „unhellenisches“ Werk; ihnen fehle „alles KĂŒnstlerische, ja alles Sinnliche, man möchte sagen, alles Körperliche der Sprache“; Plotins Schriftstellerei sei durch „Hingabe allein an das Objekt“ charakterisiert.cite-ref-97[97]

Paul Oskar Kristeller betonte das Vorhandensein zweier Aspekte in Plotins Denken, eines „gegenstĂ€ndlichen“ (objektiv-ontologischen) und eines „aktualen“ (subjektbezogenen).cite-ref-98[98]

Plotins mangelndes Interesse am staatsphilosophischen Teil der Lehre Platons veranlasste Willy Theiler, das Schlagwort vom „Plato dimidiatus“ (halbierten Platon) zu prĂ€gen, der von Plotin rezipiert worden sei; es fehle nicht nur die Politik, sondern „das eigentlich Sokratische“ insgesamt.cite-ref-99[99]

Eine modernen Anforderungen genĂŒgende kritische Enneaden-Ausgabe ließ lange auf sich warten. Sie wurde erst 1951–1973 von Paul Henry und Hans-Rudolf Schwyzer herausgebracht. In der Forschungsdiskussion des 20. Jahrhunderts spielte die Frage nach Plotins VerhĂ€ltnis zu den Ă€lteren Traditionen des Platonismus eine wichtige Rolle. Hans Joachim KrĂ€mer betonte in seiner Untersuchung Der Ursprung der Geistmetaphysik (1964) die Übereinstimmungen zwischen Plotins Lehren und denen frĂŒherer Platoniker bis zurĂŒck in die Zeit der „Alten Akademie“. Kontrovers diskutiert wird die Frage nach dem Ausmaß von Plotins EigenstĂ€ndigkeit.cite-ref-100[100]

Ehrungen

Der 1971 entdeckte Asteroid (6616) Plotinos ist nach dem Philosophen benannt.

Textausgaben, Kommentare und Übersetzungen

‱ Paul Henry, Hans-Rudolf Schwyzer (Hrsg.): Plotini opera. DesclĂ©e de Brouwer, Paris 1951–1973 (kritische Standardausgabe)

‱ Band 1: Porphyrii vita Plotini. Enneades I–III. 1951
‱ Band 2: Enneades IV–V. Plotiniana Arabica. 1959 (die Plotiniana Arabica in englischer Übersetzung von Geoffrey Lewis)
‱ Band 3: Enneas VI. 1973

‱ Richard Harder: Plotins Schriften. Meiner, Hamburg 1956–1971, Neudruck 2004; BĂ€nde 2–5b und 6: Neubearbeitung von Rudolf Beutler und Willy Theiler (Übersetzung mit griechischem Text; Anordnung chronologisch, nicht nach der Enneadenordnung)

‱ Band 1: Die Schriften 1–21 der chronologischen Reihenfolge. Teilband a: Text und Übersetzung, Teilband b: Anmerkungen. 1956
‱ Band 2: Die Schriften 22–29 der chronologischen Reihenfolge. Teilband a: Text und Übersetzung, Teilband b: Anmerkungen. 1962
‱ Band 3: Die Schriften 30–38 der chronologischen Reihenfolge. Teilband a: Text und Übersetzung, Teilband b: Anmerkungen. 1964
‱ Band 4: Die Schriften 39–45 der chronologischen Reihenfolge. Teilband a: Text und Übersetzung, Teilband b: Anmerkungen. 1967
‱ Band 5: Die Schriften 46–54 der chronologischen Reihenfolge. Teilband a: Text und Übersetzung, Teilband b: Anmerkungen, Teilband c: Anhang: Porphyrios, Über Plotins Leben und ĂŒber die Ordnung seiner Schriften. 1958–1960
‱ Band 6: Indices. 1971, ISBN 3-7873-0259-X

‱ Plotin: ƒuvres complĂštes. Les Belles Lettres, Paris (kritische Edition mit französischer Übersetzung)

‱ Band 1,1: Introduction. TraitĂ© 1 (I 6), Sur le beau. Hrsg. von Jean-Marc Narbonne u. a. 2012, ISBN 978-2-251-00566-9.
‱ Band 2,3: TraitĂ©s 30 Ă  33 (III.8, V.8, V.5 et II.9). Hrsg. von Lorenzo Ferroni u. a. 2021, ISBN 978-2-251-00629-1.

‱ Paul Kalligas, The Enneads of Plotinus: A Commentary. Volume 1, Enneads I–III. Translated by E. Key Fowden and N. Pilavachi. Princeton University Press, Princeton 2014. – Rezension von Dominic O’Meara, in: Notre Dame Philosophical Reviews 2015.02.10
‱ Lloyd P. Gerson (Hrsg.): Plotinus. The Enneads. Translated by George Boys-Stones, John M. Dillon, Lloyd P. Gerson, Richard A. H. King, Andrew Smith and James Wilberding. Cambridge University Press, Cambridge 2018.
‱ John M. Dillon, Andrew Smith (Hrsg.): The Enneads of Plotinus. With Philosophical Commentaries. Parmenides Publishing, Las Vegas (englische Übersetzung).

‱ Plotinus, Ennead I.1: What is the Living Thing? What is Man? Hrsg. von Gerard O’Daly. 2017, ISBN 978-1-930972-98-8.
‱ Plotinus, Ennead I.5: On Whether Well-Being Increases with Time. Hrsg. von Danielle A. Layne. 2024, ISBN 978-1-73353-574-8.
‱ Plotinus, Ennead I.6: On Beauty. Hrsg. von Andrew Smith. 2016, ISBN 978-1-930972-93-3.
‱ Plotinus, Ennead II.4: On Matter. Hrsg. von A. A. Long. 2022, ISBN 978-1-7335357-6-2.
‱ Plotinus, Ennead II.5: On What Is Potentially and What Actually. Hrsg. von Cinzia Arruzza. 2015, ISBN 978-1-930972-63-6.
‱ Plotinus, Ennead II.9: Against the Gnostics. Hrsg. von Sebastian Gertz. 2017, ISBN 978-1-930972-37-7.
‱ Plotinus, Ennead III.4: On Our Allotted Guardian Spirit. Hrsg. von Wiebke-Marie Stock. 2020, ISBN 978-1-7335357-0-0.
‱ Plotinus, Ennead IV.3–4.29: Problems Concerning the Soul. Hrsg. von John M. Dillon und H. J. Blumenthal. 2015, ISBN 978-1-930972-89-6.
‱ Plotinus, Ennead IV.4.30–45 & IV.5 (Ennead IV.1.1–2 & IV.2 in Appendix). Hrsg. von Gary M. Gurtler. 2015, ISBN 978-1-930972-69-8.
‱ Plotinus, Ennead IV.7: On the Immortality of the Soul. Hrsg. von Barrie Fleet. 2016, ISBN 978-1-930972-95-7.
‱ Plotinus, Ennead IV.8: On the Descent of the Soul Into Bodies. Hrsg. von Barrie Fleet. 2012, ISBN 978-1-930972-77-3.
‱ Plotinus, Ennead V.1: On the Three Primary Levels of Reality. Hrsg. von Eric D. Perl. 2015, ISBN 978-1-930972-91-9.
‱ Plotinus, Ennead V.5: That the Intelligibles are not External to the Intellect, and on the Good. Hrsg. von Lloyd P. Gerson. 2013, ISBN 978-1-930972-85-8.
‱ Plotinus, Ennead V.8: On Intelligible Beauty. Hrsg. von Andrew Smith. 2018, ISBN 978-1-930972-65-0.
‱ Plotinus, Ennead VI.4 & VI.5: On the Presence of Being. One and the Same, Everywhere as a Whole. Hrsg. von Eyjólfur Emilsson und Steven Strange. 2015, ISBN 978-1-930972-34-6.
‱ Plotinus, Ennead VI.8: On the Voluntary and on the Free Will of the One. Hrsg. von Kevin Corrigan und John D. Turner. 2017, ISBN 978-1-930972-39-1.
‱ Plotinus, Ennead VI.9: On the Good or the One. Hrsg. von Stephen R. L. Clark. 2020, ISBN 978-1-7335357-2-4.

Literatur

Übersichtsdarstellungen

‱ Cristina D’Ancona, Jörn Lang: Plotin. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5, Teil 1, CNRS Éditions, Paris 2012, ISBN 978-2-271-07335-8, S. 885–1070.
‱ Christoph Horn: Plotin. In: Christoph Riedweg u. a. (Hrsg.): Philosophie der Kaiserzeit und der SpĂ€tantike (= Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike. Band 5/2). Schwabe, Basel 2018, ISBN 978-3-7965-3699-1, S. 1255–1310, 1409–1423.
‱ Dominic J. O’Meara: Plotinus. In: Lloyd P. Gerson (Hrsg.): The Cambridge History of Philosophy in Late Antiquity, Bd. 1, Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-76440-7, S. 301–324.

EinfĂŒhrungen

‱ Karin Alt: Plotin. Buchner, Bamberg 2005, ISBN 3-7661-6659-X.
‱ Jens Halfwassen: Plotin und der Neuplatonismus. Beck, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-406-51117-1.
‱ Susanne Möbuß: Plotin zur EinfĂŒhrung. Junius, Hamburg 2000, ISBN 3-88506-315-8.
‱ Christian Tornau (Hrsg.): Plotin-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. J.B. Metzler, Heidelberg 2024, ISBN 978-3-476-05974-1.

Untersuchungen zum Leben und Wirken

‱ Udo Hartmann: Der spĂ€tantike Philosoph. Die Lebenswelten der paganen Gelehrten und ihre hagiographische Ausgestaltung in den Philosophenviten von Porphyrios bis Damaskios (= Antiquitas. Reihe 1, Band 72). Habelt, Bonn 2018, ISBN 978-3-7749-4172-4, besonders S. 357–433.

Untersuchungen zur Philosophie

‱ Werner Beierwaltes: Das wahre Selbst. Studien zu Plotins Begriff des Geistes und des Einen. Klostermann, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-465-03122-9.
‱ Hubert Benz: ‚Materie‘ und Wahrnehmung in der Philosophie Plotins. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1990, ISBN 3-88479-519-8.
‱ Edgar FrĂŒchtel: Weltentwurf und Logos. Zur Metaphysik Plotins. Klostermann, Frankfurt am Main 1970, DNB 456679111.
‱ Jens Halfwassen: Der Aufstieg zum Einen. Untersuchungen zu Platon und Plotin. 2. Auflage, Saur, MĂŒnchen und Leipzig 2006, ISBN 978-3-598-73055-9.
‱ Christoph Horn: Plotin ĂŒber Sein, Zahl und Einheit. Eine Studie zu den systematischen Grundlagen der Enneaden. Teubner, Stuttgart und Leipzig 1995, ISBN 3-519-07611-X.
‱ Vladimir JankĂ©lĂ©vitch: Plotin, „EnnĂ©ades I.3. Sur la dialectique“. Zusammen mit Françoise Schwab, Jacqueline LagrĂ©e, Lucien Jerphagnon. Éditions du Cerf, Paris 1998, ISBN 978-2204058964.
‱ Euree Song: Aufstieg und Abstieg der Seele. Diesseitigkeit und Jenseitigkeit in Plotins Ethik der Sorge. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-25290-1.
‱ Thomas A. Szlezák: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins. Schwabe, Basel 1979, ISBN 3-7965-0724-7.

Rezeption

‱ Peter Adamson: The Arabic Plotinus. A Philosophical Study of the „Theology of Aristotle“. Duckworth, London 2002, ISBN 0-7156-3163-2.
‱ Sylvain Matton: Regards sur la fortune de la Vie de Plotin (XVe – XVIIIe siùcle). In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 2, Vrin, Paris 1992, ISBN 2-7116-1121-3, S. 639–720.
‱ Dominic J. O’Meara: Plotinus. In: Virginia Brown (Hrsg.): Catalogus translationum et commentariorum. Band 7, The Catholic University of America Press, Washington (D. C.) 1992, ISBN 0-8132-0713-4, S. 55–73.

Bibliografie

‱ Richard Dufour: Plotinus: A Bibliography 1950–2000. In: Phronesis 46, 2001, S. 233–411.

Hilfsmittel

‱ John Herbert Sleeman, Gilbert Pollet: Lexicon Plotinianum (= Ancient and Medieval Philosophy, Reihe 1, Band 2). Brill, Leiden 1980, ISBN 90-6186-083-0

Weblinks

Commons

: Plotin

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikiquote: Plotin

– Zitate

‱ Literatur von und ĂŒber Plotin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Werke von und ĂŒber Plotin in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Textausgaben

‱ Enneaden nach der Ausgabe von Paul Henry und Hans-Rudolf Schwyzer in der Bibliotheca Augustana (griechisch)
‱ Enneaden in der deutschen Übersetzung von Hermann Friedrich MĂŒller, Berlin 1878 (Faksimiles)
‱ Enneaden in der deutschen Übersetzung von Hermann Friedrich MĂŒller bei zeno.org
‱ Enneaden in der englischen Übersetzung von Stephen MacKenna: Online Library of Liberty (Faksimile), MIT Classics (formatiert), archive.org (Faksimile), John Uebersax (Übersetzung und Originaltexte)

EintrÀge in Online-Lexika

‱ Lloyd Gerson: Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und Parameter 3 und nicht Parameter 2
‱ Edward Moore: Eintrag in James Fieser, Bradley Dowden (Hrsg.): Internet Encyclopedia of Philosophy.

Bibliografie

‱ Richard Dufour: Fortlaufend aktualisierte Bibliografie (ab 2000)

Medien

‱ Fabian Völker: EinfĂŒhrung in den Neuplatonismus – Plotin – I/II. Vorlesung Institut fĂŒr interkulturelle Religionsphilosophie (UniversitĂ€t Wien), EinfĂŒhrung in den Neuplatonismus – Plotin – I/II auf YouTube, abgerufen am 26. Januar 2023.
‱ Fabian Völker: EinfĂŒhrung in den Neuplatonismus – Plotin – II/II. EinfĂŒhrung in den Neuplatonismus – Plotin – II/II auf YouTube, abgerufen am 26. Januar 2023.

Anmerkungen

cite-note-11. ↑ Zur Bestimmung des Todesorts siehe Filippo Càssola: L’ultima residenza di Plotino. In: Salvatore Cerasuolo (Hrsg.): Mathesis e Philia. Neapel 1995, S. 263–269.
cite-note-22. ↑ Zum Vorgehen bei der Berechnung siehe Richard Goulet: Le systĂšme chronologique de la Vie de Plotin. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 1. Paris 1982, S. 187–227, hier: S. 199–213; ĂŒberholt sind die Angaben von Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, MĂŒnchen 1978, Sp. 310–328, hier: 314 f.
cite-note-33. ↑ Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXI, 1, Stuttgart 1951, Sp. 471–592, hier: 476 f. Orsolina Montevecchi: Ritorniamo a Licopoli e a Plotino. In: Aegyptus 80, 2000, S. 139–143 meint, Plotin sei ein Grieche aus Lykonpolis gewesen.
cite-note-44. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 3.
cite-note-55. ↑ FĂŒr Einzelheiten siehe Lawrence Okamura: Plotinus in Syria and Mesopotamia. In: Classica et Mediaevalia. 46, 1995, S. 87–112.
cite-note-66. ↑ Marie-Odile Goulet-CazĂ©: L’arriĂšre-plan scolaire de la Vie de Plotin. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre, La Vie de Plotin. Band 1, Paris 1982, S. 229–327, hier: 257–260; Denis O’Brien: Plotinus and the Secrets of Ammonius. In: Hermathena. 157, 1994, S. 117–153; Thomas A. SzlezĂĄk: Plotin und die geheimen Lehren des Ammonios. In: Helmut Holzhey, Walther Ch. Zimmerli (Hrsg.): Esoterik und Exoterik der Philosophie. Basel 1977, S. 52–69; Hans-Rudolf Schwyzer: Ammonios Sakkas, der Lehrer Plotins. Opladen 1983, S. 15–18.
cite-note-77. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 12. Siehe dazu Lukas de Blois: Plotinus and Gallienus. In: Antoon A. R. Bastiaensen u. a. (Hrsg.): Fructus centesimus. Steenbrugge / Dordrecht 1989, S. 69–82.
cite-note-88. ↑ Siehe dazu Luc Brisson: Plotin: Une biographie. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 2, Paris 1992, S. 1–29, hier: 14–25.
cite-note-99. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 10.
cite-note-1010. ↑ Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXI, 1, Stuttgart 1951, Sp. 471–592, hier: 474–476; Mirko D. Grmek: Les maladies et la mort de Plotin. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 2, Paris 1992, S. 335–353.
cite-note-1111. ↑ Zur Datierung siehe Timothy D. Barnes: The Chronology of Plotinus’ Life. In: Greek, Roman, and Byzantine Studies. Band 17, 1976, S. 65–70, hier: 66–69; Richard Goulet: Le systùme chronologique de la Vie de Plotin. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 1, Paris 1982, S. 191–199.
cite-note-1212. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 2. Siehe dazu Jean PĂ©pin: La derniĂšre parole de Plotin. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 2, Paris 1992, S. 355–383. FĂŒr eine andere Deutung der Worte plĂ€diert jedoch Glenn W. Most: Plotinus’ Last Words. In: Classical Quarterly 53, 2003, S. 576–587; er meint, es sei eine Aufforderung an Eustochios gewesen. Dass es sich um eine Ermahnung handelte, glauben auch Hans-Rudolf Schwyzer: Plotins letztes Wort. In: Museum Helveticum 33, 1976, S. 85–97 und Karin Alt: Zu zwei Aussagen ĂŒber Plotins Kindheit und Tod. In: Philotheos 2, 2002, S. 128–134, hier: 130–134.
cite-note-1313. ↑ Luc Brisson: Notes sur la Vita Plotini: 2.27. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 2, Paris 1992, S. 203 f.
cite-note-1414. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 1.
cite-note-1515. ↑ Wolfgang Fischer-Bossert: Der Portraittypus des sog. Plotin. In: ArchĂ€ologischer Anzeiger 2001, S. 137–152; vgl. Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, MĂŒnchen 1978, Sp. 310–328, hier: 316.
cite-note-1616. ↑ Zur Frage der Identifizierung dieses Philosophen siehe die eingehende Untersuchung von Asger Ousager: Plotinus on Selfhood, Freedom and Politics. Aarhus 2004, S. 285–318.
cite-note-1717. ↑ Siehe dazu Albrecht Dihle: Die griechische und lateinische Literatur der Kaiserzeit, MĂŒnchen 1989, S. 382; Jean PĂ©pin: PhilĂłlogos / philĂłsophos. In: Luc Brisson u. a. (Hrsg.): Porphyre: La Vie de Plotin. Band 2, Paris 1992, S. 477–501, hier: 498–500; Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXI, 1, Stuttgart 1951, Sp. 471–592, hier: 527–530.
cite-note-1818. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 8; 13,1–5; 24,1–6.
cite-note-1919. ↑ Plotin, Enneaden V 1,8,10–14.
cite-note-2020. ↑ Siehe dazu Thomas A. SzlezĂĄk: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins. Basel 1979, S. 10 f. und 14–28; Rudolf Schicker: Plotin. Metaphysik und ModalitĂ€t, St. Augustin 1993, S. 1–24.
cite-note-2121. ↑ Plotin, Enneaden IV 8,1,11–27. Vgl. dazu Thomas A. Szlezák: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins. Basel 1979, S. 28–31 und 36–41.
cite-note-2222. ↑ FĂŒr Einzelheiten siehe George E. Karamanolis: Plato and Aristotle in Agreement? Oxford 2006, S. 216–242; Andreas Graeser: Plotinus and the Stoics. Leiden 1972.
cite-note-2323. ↑ Siehe dazu Jens Halfwassen: Plotin und der Neuplatonismus. MĂŒnchen 2004, S. 37 f.
cite-note-2424. ↑ Plotin, Enneaden VI 8,10,18–21; Venanz Schubert: Plotin. EinfĂŒhrung in sein Philosophieren. Freiburg 1973, S. 20.
cite-note-2525. ↑ Plotin, Enneaden V 5,6,26–28.
cite-note-2626. ↑ Zu Plotins Monismus siehe Karin Alt: Weltflucht und Weltbejahung. Zur Frage des Dualismus bei Plutarch, Numenios, Plotin. Stuttgart 1993, S. 55–68.
cite-note-2727. ↑ Plotin, Enneaden V 3,13,1 f.
cite-note-2828. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 23. Zum VerstĂ€ndnis dieser Vereinigung (Henosis) siehe Werner Beierwaltes: Denken des Einen. Frankfurt am Main 1985, S. 123–147.
cite-note-2929. ↑ Zur gĂ€ngigen Bezeichnung und Bewertung Plotins als Mystiker siehe Hubert Benz: ‚Materie‘ und Wahrnehmung in der Philosophie Plotins. WĂŒrzburg 1990, S. XVI–XVIII Anm. 1 (Belege).
cite-note-3030. ↑ Plotin, Enneaden V 3,12,38–47; III 8,10,2–10.
cite-note-3131. ↑ Plotin, Enneaden V 9,5,29–30; V 1,8,14–18. Siehe dazu Michele Abbate: Die Interpretation des Vorsokratikers Parmenides bei Plotin: Die BegrĂŒndung der IdentitĂ€t von Sein und Denken. In: WĂŒrzburger JahrbĂŒcher fĂŒr die Altertumswissenschaft. Neue Folge 30, 2006, S. 181–196.
cite-note-3232. ↑ Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike. Bd. 5, Stuttgart-Bad Cannstatt 1998, S. 250–259.
cite-note-3333. ↑ Aristoteles, Metaphysik 1072b19–21, 1074b15–1075a10.
cite-note-3434. ↑ Zu Plotins Auseinandersetzung mit dem Unendlichkeitsbegriff siehe Christoph Horn: Plotin ĂŒber Sein, Zahl und Einheit, Stuttgart 1995, S. 152–169.
cite-note-3535. ↑ Jens Halfwassen: Geist und Selbstbewußtsein. Stuttgart 1994, S. 8–11, 24–30 und 55–57.
cite-note-3636. ↑ Dagegen: Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, MĂŒnchen 1978, Sp. 310–328, hier: 324 f.; Panayiota Vassilopoulou: Plotinus and Individuals. In: Ancient Philosophy 26, 2006, S. 371–383. DafĂŒr u. a.: Paul Kalligas: Forms of Individuals in Plotinus: A Re-Examination. In: Phronesis 42, 1997, S. 206–227; John M. Rist: Ideas of Individuals in Plotinus. In: Revue internationale de philosophie. Jg. 24, Nr. 92, 1970, S. 298–303; Arthur H. Armstrong: Form, Individual and Person in Plotinus. In: Dionysius 1, 1977, S. 49–68. Die Hypothese, dass Plotin in dieser Frage zu keiner eindeutigen Position gelangt ist, vertritt Henry J. Blumenthal: Did Plotinus believe in Ideas of Individuals? In: Phronesis 11, 1966, S. 61–80.
cite-note-3737. ↑ Alexander Pletsch: Plotins Unsterblichkeitslehre und ihre Rezeption bei Porphyrios. Stuttgart 2005, S. 26–93 (zur Unkörperlichkeit), 95–100 (zu Harmonie und Entelechie).
cite-note-3838. ↑ Heinrich Dörrie, Matthias Baltes: Der Platonismus in der Antike. Bd. 6.1, Stuttgart-Bad Cannstatt 2002, S. 288–292.
cite-note-3939. ↑ Zu Plotins Materie-Lehre siehe Hubert Benz: ‚Materie‘ und Wahrnehmung in der Philosophie Plotins. WĂŒrzburg 1990, S. 85–177.
cite-note-4040. ↑ Karin Alt: Weltflucht und Weltbejahung. Zur Frage des Dualismus bei Plutarch, Numenios, Plotin. Stuttgart 1993, S. 67. Vgl. zum Zusammenhang zwischen der Materie und dem Schlechten bei Plotin Christian SchĂ€fer: Unde malum. WĂŒrzburg 2002, S. 105–169.
cite-note-4141. ↑ Plotin, Enneaden IV 4,32,13–14; IV 9,2,28–9,3,9.
cite-note-4242. ↑ Zur intelligiblen Materie siehe Evangelia Varessis: Die Andersheit bei Plotin. Stuttgart 1996, S. 188–202, 224–237; Thomas A. SzlezĂĄk: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins. Basel 1979, S. 72–85; Silvia L. Tonti: Plotins Begriff der „intelligiblen Materie“ als Umdeutung des platonischen Begriffs der Andersheit. WĂŒrzburg 2010, S. 105–113.
cite-note-4343. ↑ Platon, Timaios 37d.
cite-note-4444. ↑ Diesem Thema widmet Plotin die Abhandlung Enneaden III 7. Zu seiner Zeittheorie siehe Karen Gloy: Die Struktur der Zeit in Plotins Zeittheorie. In: Archiv fĂŒr Geschichte der Philosophie 71, 1989, S. 303–326.
cite-note-4545. ↑ Plotin, Enneaden VI 9,11,49–51.
cite-note-4646. ↑ Rudolf Schicker: Plotin. Metaphysik und ModalitĂ€t. Sankt Augustin 1993, S. 239 f.; Ingrid Craemer-Ruegenberg: Überlegungen zu Plotins Begriff von „theoria“. In: Elenor Jain, Reinhard Margreiter: Probleme philosophischer Mystik. Sankt Augustin 1991, S. 175–185.
cite-note-4747. ↑ Zum Vergleich des Weltgeschehens mit einem Schauspiel siehe Karin Alt: Plotin. Bamberg 2005, S. 112–114; Burkhard Reis: Plotins großes Welttheater. In: Susanne Gödde, Theodor Heinze: Skenika. BeitrĂ€ge zum antiken Theater und seiner Rezeption. Darmstadt 2000, S. 291–311.
cite-note-4848. ↑ Plotin, Enneaden I 4,3–8.
cite-note-4949. ↑ Zu Plotins VerstĂ€ndnis des Übels bzw. des Bösen siehe Christian SchĂ€fer: Unde malum. WĂŒrzburg 2002, S. 51–193.
cite-note-5050. ↑ Euree Song: Aufstieg und Abstieg der Seele. Göttingen 2009, S. 150–152.
cite-note-5151. ↑ Plotin, Enneaden II 3,7 und II 3,16.
cite-note-5252. ↑ Plotin, Enneaden I 9.
cite-note-5353. ↑ Plotin, Enneaden IV 3,20–23.
cite-note-5454. ↑ Karin Alt: Plotin. Bamberg 2005, S. 86–88.
cite-note-5555. ↑ Porphyrios, Vita Plotini 1.
cite-note-5656. ↑ Zu Plotins Konzept der FĂŒrsorge und Pflege (pronoĂ­a, epimĂ©leia) siehe Euree Song: Aufstieg und Abstieg der Seele. Göttingen 2009, S. 31 f. und 95-110.
cite-note-5757. ↑ Plotin, Enneaden V 1,1,1–22; IV 4,3,1–3; IV 8,6,6–10; IV 8,7,1–17.
cite-note-5858. ↑ Christian SchĂ€fer: Unde malum. WĂŒrzburg 2002, S. 84–104.
cite-note-5959. ↑ Zu dieser Lehre siehe Thomas A. Szlezák: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins. Basel 1979, S. 167–205.
cite-note-6060. ↑ Siehe dazu Arbogast Schmitt: Symmetrie im Platonismus und in der Stoa. In: Maria-Christine Leitgeb u. a. (Hrsg.): Platon, Plotin und Marsilio Ficino. Wien 2009, S. 13–50, hier: 13–15 und 19–22.
cite-note-6161. ↑ Plotin, Enneaden VI 7,22.
cite-note-6262. ↑ Siehe dazu Paul Oskar Kristeller: Der Begriff der Seele in der Ethik des Plotin. TĂŒbingen 1929, S. 58–66. Vgl. zum Eros bei Plotin Achim Wurm: Platonicus amor. Lesarten der Liebe bei Platon, Plotin und Ficino. Berlin 2008, S. 119–140.
cite-note-6363. ↑ Plotin, Enneaden II 9,10,1–14.
cite-note-6464. ↑ Plotin, Enneaden II 9,6.
cite-note-6565. ↑ Eine Zusammenfassung von Plotins Argumentation bietet Christoph Elsas: Neuplatonische und gnostische Weltablehnung in der Schule Plotins. Berlin 1975, S. 56–85.
cite-note-6666. ↑ Zum systemimmanenten Charakter der Argumentation Plotins siehe Karin Alt: Philosophie gegen Gnosis. Stuttgart 1990, S. 21–66.
cite-note-6767. ↑ Platon, Sophistes 254b–255e.
cite-note-6868. ↑ Plotin, Enneaden IV 7,9,23–24; V 4,2,43; VI 9,2,24–25. Siehe dazu Michele Abbate: Die Interpretation des Vorsokratikers Parmenides bei Plotin: Die BegrĂŒndung der IdentitĂ€t von Sein und Denken. In: WĂŒrzburger JahrbĂŒcher fĂŒr die Altertumswissenschaft. Neue Folge 30, 2006, S. 188–191.
cite-note-6969. ↑ Zu Plotins Kategorienlehre siehe Klaus Wurm: Substanz und QualitĂ€t. Berlin 1973, S. 135–166 und 221–262; Christoph Horn: Plotin ĂŒber Sein, Zahl und Einheit. Leipzig 1995, S. 30–148; Silvia L. Tonti: Plotins Begriff der „intelligiblen Materie“ als Umdeutung des platonischen Begriffs der Andersheit. WĂŒrzburg 2010, S. 131–138.
cite-note-7070. ↑ Klaus Wurm: Substanz und QualitĂ€t. Berlin 1973, S. 158–166.
cite-note-7171. ↑ John Dillon: Iamblichus’ Criticisms of Plotinus’ Doctrine of the Undescended Soul. In: Riccardo Chiaradonna (Hrsg.): Studi sull’anima in Plotino. Napoli 2005, S. 337–351.
cite-note-7272. ↑ Proklos, Theologia Platonica I 1.
cite-note-7373. ↑ Zu Proklos’ Kritik an Plotin siehe Werner Beierwaltes: Denken des Einen. Frankfurt am Main 1985, S. 155–192; Silvia L. Tonti: Plotins Begriff der „intelligiblen Materie“ als Umdeutung des platonischen Begriffs der Andersheit. WĂŒrzburg 2010, S. 125–130.
cite-note-7474. ↑ Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXI,1, Stuttgart 1951, Sp. 471–592, hier: 510–512.
cite-note-7575. ↑ Vgl. auch Heinrich Dörrie: Porphyrios als Mittler zwischen Plotin und Augustin. In: Paul Wilpert, Willehad P. Eckert (Hrsg.): Antike und Orient im Mittelalter. VortrĂ€ge der Kölner Mediaevistentagungen 1956–1959 (= Miscellanea Mediaevalia. Band 1). De Gruyter, Berlin 1962, S. 26–47.
cite-note-7676. ↑ Die Hypothese, Eusebios habe eine von den Enneaden unabhĂ€ngige Überlieferung herangezogen, hat sich nicht durchgesetzt, siehe Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, MĂŒnchen 1978, Sp. 310–328, hier: 319.
cite-note-7777. ↑ Zur spĂ€tantiken christlichen Plotin-Rezeption siehe John Rist: Plotinus and Christian philosophy. In: Lloyd P. Gerson (Hrsg.): The Cambridge Companion to Plotinus. Cambridge 1996, S. 386–413. Siehe auch Anthony Meredith: Plotinus and the Cappadocians. In: Peter Bruns (Hrsg.): Von Athen nach Bagdad. Bonn 2003, S. 63–75 (Ergebnis: kein direkter Einfluss Plotins auf Basileios von Caesarea, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa eindeutig nachweisbar).
cite-note-7878. ↑ Christopher M. Woodhouse: George Gemistos Plethon. The Last of the Hellenes. Oxford 1986, S. 74 f.
cite-note-7979. ↑ Hans-Rudolf Schwyzer: Plotinos. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXI,1, Stuttgart 1951, Sp. 471–592, hier: 499–508; RĂ©mi Brague: La philosophie dans la ThĂ©ologie d’Aristote. Pour un inventaire. In: Documenti e studi sulla tradizione filosofica medievale 8, 1997, S. 365–387; Peter Adamson: The Arabic Plotinus. A Philosophical Study of the Theology of Aristotle. London 2002.
cite-note-8080. ↑ Zu Ficinos Plotin-Rezeption siehe Clemens Zintzen: Plotin und Ficino. In: Jens Holzhausen (Hrsg.): ÏˆÏ…Ï‡Îź – Seele – anima. Festschrift fĂŒr Karin Alt zum 7. Mai 1998. Stuttgart 1998, S. 417–435; Henri-Dominique Saffrey: Florence, 1492: The Reappearance of Plotinus. In: Renaissance Quarterly 49, 1996, S. 488–506.
cite-note-8181. ↑ Giovanni Pico della Mirandola, Oratio de hominis dignitate. In: Eugenio Garin (Hrsg.): G. Pico della Mirandola: De hominis dignitate, Heptaplus, De ente et uno. Firenze 1942, S. 140–142.
cite-note-8282. ↑ Zur von Ficino geprĂ€gten Neuplatonismus-Rezeption in diesen Kreisen siehe Françoise Joukovsky: Le regard intĂ©rieur. ThĂšmes plotiniens chez quelques Ă©crivains de la Renaissance française. Paris 1982, S. 19–21 und 37–41.
cite-note-8383. ↑ Material zur Plotin-Rezeption im 17. und 18. Jahrhundert ist zusammengestellt bei Max Wundt: Plotin und die Romantik. In: Neue JahrbĂŒcher fĂŒr das klassische Altertum, Geschichte und deutsche Literatur und fĂŒr PĂ€dagogik. Bd. 35 (= Abteilung 1 Jahrgang 18), 1915, S. 649–672, hier: 649–658. Zu Berkeley siehe Naguib Baladi: Plotin et l’immatĂ©rialisme de Berkeley. TĂ©moignage de la Siris. In: Revue internationale de philosophie. Jg. 24, Nr. 92, 1970, S. 338–347.
cite-note-8484. ↑ Siehe dazu Werner Beierwaltes: Platonismus und Idealismus. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2004, S. 87–93.
cite-note-8585. ↑ Plotin, Enneaden I 6,9,30–32.
cite-note-8686. ↑ Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. AusgewĂ€hlte Texte aus den medizinischen Schriften der Griechen und Römer. 6. Auflage. Leipzig 1989, S. 185, Anm. 1.
cite-note-8787. ↑ Der Druck von 1828 gibt den Text von 1805 wieder; dazwischen publizierte Goethe das Gedicht 1810 und 1823 in zwei ĂŒberarbeiteten Fassungen. Johann Wolfgang Goethe: Goethe’s Werke. VollstĂ€ndige Ausgabe letzter Hand. Band 3. Stuttgart/TĂŒbingen 1828, S. 291 der Duodez-Ausgabe (Digitalisat); Johann Wolfgang Goethe: SĂ€mtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. MĂŒnchner Ausgabe. MĂŒnchen/Wien 1986, S. 93 mit Kommentar S. 908–909.
cite-note-8888. ↑ Goethes Werke (Weimarer Ausgabe), Bd. I 3, Weimar 1890, S. 279. Zu Goethes VerhĂ€ltnis zu Plotin siehe Werner Beierwaltes: Platonismus und Idealismus. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2004, S. 93–100 und 222; Franz Koch: Goethe und Plotin. Leipzig 1925.
cite-note-8989. ↑ Max Hecker (Hrsg.): Der Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter. Band 1, Leipzig 1913, S. 121 (5. September 1805).
cite-note-9090. ↑ Zu Hegels Plotin-Rezeption siehe Venanz Schubert: Plotin. Freiburg 1973, S. 14–18; Werner Beierwaltes: Platonismus und Idealismus. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2004, S. 144–153, 226 f.
cite-note-9191. ↑ Venanz Schubert: Plotin. Freiburg 1973, S. 19–24; Werner Beierwaltes: Das wahre Selbst. Frankfurt am Main 2001, S. 182–227; Werner Beierwaltes: Platonismus und Idealismus. 2. Auflage. Frankfurt am Main 2004, S. 100–144, 202–214, 222–226, 233 f.
cite-note-9292. ↑ Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena. Bd. 1, hrsg. Ludger LĂŒtkehaus, ZĂŒrich 1994, S. 64 f. Zu Schopenhauers VerhĂ€ltnis zu Plotin siehe Otto Kiefer: Schopenhauer und Plotin. In: Jahrbuch der Schopenhauer-Gesellschaft 28, 1941, S. 247–257 (zur Kritik S. 249).
cite-note-9393. ↑ Zu Bergsons Plotin-Rezeption siehe Rose-Marie MossĂ©-Bastide: Bergson et Plotin. Paris 1959 (Zusammenstellung mĂŒndlicher Äußerungen Bergsons S. 1 f.; Zusammenfassung der Ergebnisse S. 397–402); Maurice de Gandillac: Le Plotin de Bergson. In: Revue de thĂ©ologie et de philosophie 23, 1973, S. 173–183.
cite-note-9494. ↑ Karl Jaspers: Die großen Philosophen. Bd. 1, 5. Auflage, MĂŒnchen 1995, S. 716–719 und 722.
cite-note-9595. ↑ Hans Jonas: Gnosis und spĂ€tantiker Geist. Bd. 1, 4. Auflage, Göttingen 1988, S. 6, 46, 89 f., 250 f., 260, 328 f., 375. Vgl. dazu Christoph Elsas: Neuplatonische und gnostische Weltablehnung in der Schule Plotins. Berlin 1975, S. 1–5.
cite-note-9696. ↑ Hugo Fischer: Die AktualitĂ€t Plotins. MĂŒnchen 1956.
cite-note-9797. ↑ Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff u. a.: Die griechische und lateinische Literatur und Sprache. 3. Auflage. Leipzig und Berlin 1912, S. 270.
cite-note-9898. ↑ Paul Oskar Kristeller: Der Begriff der Seele in der Ethik des Plotin. TĂŒbingen 1929, S. 5 f.
cite-note-9999. ↑ Willy Theiler: Forschungen zum Neuplatonismus. Berlin 1966, S. 126.
cite-note-100100. ↑ Eine forschungsgeschichtliche Übersicht bietet Thomas A. Szlezák: Platon und Aristoteles in der Nuslehre Plotins. Basel 1979, S. 45–51.